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Taschengeld-Studie:Das Kind als Kunde

Kinderschutzbund - Kampf gegen Kinderarmut
(Foto: picture alliance / dpa)

Deutsche Kinder bekommen so viel Geld wie nie zuvor, in Kitas diskutieren verunsicherte Eltern über das richtige Taschengeld-Alter - und erkundigen sich bei Ratgebern im Internet. Dabei vergessen sie jedoch, wer hinter vielen dieser Angebote steht.

Ein Kommentar von Ulrike Heidenreich

Der Osterhase legt 25 Euro ins Nest, dann kommt der Weihnachtsmann mit 79 Euro und schließlich sind die Verwandten da, die 27,56 Euro Taschengeld spendabel aufrunden. Die Analyse zum Konsumverhalten von Kindern vom Ehapa-Verlag kommt zu dem Schluss, dass die Altersgruppe der Sechs- bis 13-Jährigen über so viel Geld wie nie verfügt. Ein Riesenmarkt für all jene, die mit der Kohle der Kinder kalkulieren.

Rechnet man Taschengeld, Geldgeschenke und Sparkonten zusammen, können die Kinder in Deutschland fast fünf Milliarden Euro ausgeben. Eine abenteuerliche Summe, die so regelmäßig steigen wird, wie die Studie jedes Jahr erscheint. Denn das Taschengeld-Alter sinkt beständig.

Da diskutieren in Kitas verunsicherte Eltern, ob sie ihren Dreijährigen Geld geben sollen. Und vergessen, dass hinter vielen Taschengeldratgebern im Internet Finanzdienstleister und Banken stehen - mit massivem geschäftlichen Interesse.

So werden die Erwartungen immer höher geschraubt. Wundern muss man sich auch nicht, dass zwei Drittel der Kinder extrem markenbewusst sind. Man sehe sich nur den Baby-Kaufladen genau an - schon immer ein interessanter Bereich für Unternehmen.

Wenn auf Mini-Riegeln Mars draufsteht und auf Fischstäbchen Iglo, prägt das fürs Leben. Die Jugendämter empfehlen: Zwei Euro Taschengeld wöchentlich für Achtjährige sind mehr als genug.

© SZ vom 07.08.2013
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