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Spreebogen:Schreib's noch einmal

Hart aber fair II: Bei Plasberg haben sie gerade eine ganze Sendung wiederholt, in der gleichen personellen Besetzung, weil die erste Sendung etwas danebenging. Wäre das schön, wenn das auch bei Zeitungsartikeln möglich wäre!

Neulich hat die ARD eine Sendung von "Hart aber fair" wiederholt. Ich habe die erste Sendung nicht gesehen, aber aus irgendwelchen Gründen war sie der ARD peinlich, weshalb sie zwischendurch sogar aus der Mediathek entfernt worden war. Dann hat man die Sendung einfach wiederholt, also nicht dieselbe Sendung noch mal gezeigt, sondern wirklich eine ganz neue Sendung gemacht, aber mit denselben Gästen. So wie man ein Fußballspiel wiederholt, wenn ein Tor gefallen ist, das keines war.

Es ging in beiden Sendungen um Frauen, Gleichberechtigung und Genderforschung. Das ist ein Thema, zu dem ich auch etwas zu sagen gewusst hätte, aber der Herr Plasberg hat lieber den Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter und Wolfgang Kubicki von der FDP eingeladen. Ich halte meine Referate zur Genderforschung deshalb weiter in unserer kleinen vertraulichen Redaktionskonferenz, wo ich immer mal wieder zu hören bekomme, wie schade es doch eigentlich sei, dass meine interessante Meinung einem größeren Publikum vorenthalten bliebe. Manchmal bin ich nicht so sicher, ob die Kollegen und vor allem die Kolleginnen es da wirklich immer gut mit mir meinen.

Was ich aber eigentlich faszinierend finde, ist die Idee der Wiederholung. Man stelle sich mal vor, das gäbe es auch für uns Zeitungsschreiber. Ich hatte mal einen ziemlich bedeutenden Kollegen, der schrieb kurz vor dem legendären Wolfratshauser Frühstück von Angela Merkel und Edmund Stoiber im Januar 2002: "Verzichtet Angela Merkel auf die Kanzlerkandidatur, ist sie genau an dem Punkt angelangt, an dem sie noch lange nicht sein will: am Ende ihres politischen Weges." Also, da kann man sich dreizehneinhalb Jahre später schon vorstellen, dass der Kollege diesen Kommentar gerne wiederholen würde, wiederholen nach dem Vorbild von "Hart aber fair".

In der Parlamentsredaktion der SZ ist es so, dass jeder Artikel eines Redakteurs fein säuberlich in einem Aktenordner abgeheftet wird. Da ich schon eine kleine Weile in Berlin arbeite, stehen 21 Ordner in meinem Regal. Vor ein paar Tagen habe ich damit begonnen, meine Artikel in diesen Ordnern daraufhin zu durchsuchen, welche davon ich gerne wiederholen würde. Der Stapel ist inzwischen so hoch, dass er die Fotos von meinen Kindern verdeckt, die immerhin im dritten Stock des Regals stehen.

Natürlich hat man als Journalist auch Erlebnisse, die man gerne wiederholen würde, also wiederholen im Plasberg'schen Sinne. Ich erinnere mich zum Beispiel immer wieder sehr ungerne an jene Zeit, als Jean-Claude Juncker Präsident der EU-Kommission wurde und ich die Kanzlerin fragte, ob er nicht ein bisschen zu alt für dieses Amt sei. Angela Merkel antwortete mir, dass Juncker ein halbes Jahr jünger sei als sie, woraufhin ich dem Gedanken durchaus etwas abgewinnen konnte, dass sich der Boden unter meinen Füßen öffnen möge. Allerdings verwarf ich den Wunsch auch schnell wieder, denn wir befanden uns in der Regierungsmaschine in 10 000 Metern Höhe, irgendwo über dem Indischen Ozean.

Merke: Auch Fußballspiele werden nur wegen irregulärer Tore wiederholt. Nicht aber wegen eines Eigentors.