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Seminar "Schöner streiten":Die Männerversteherin

Eine weitere kluge Taktik sei, ihn zu fragen: Wie können wir das Problem lösen? "Animieren Sie ihn zur Teamarbeit", empfiehlt Dürr. "Das kennt er, das packt ihn bei seinem Heldentum." Heldentum - ein großes Wort, wenn es darum geht, seinen Partner dazu zu bringen, sich mal wieder zu rasieren oder zum Friseur zu gehen.

Saskia Dürr

Keine Furcht vor Streit und Debatte: Saskia Dürr.

(Foto: Foto: oh)

"Ab wann verliere ich dabei eigentlich meine Würde?" fragt eine der Frauen entrüstet. Beifälliges Nicken der anderen. "Es kann ja wohl nicht sein, dass er seine Socken herumliegen lässt, den Müll ignoriert, und ich ihn dann auch noch mit Samthandschuhen anfassen muss", mault eine Zuhörerin. "Und dass wir uns derart überschlagen sollen, nur, um etwas vollkommen Normales zu erreichen", ergänzt eine andere. "Doch", entgegnet die Seminarleiterin trocken. Widerspenstiges Gebrummel.

"Wieso müssen eigentlich immer wir die Beziehungsarbeit machen?", ereifert sich die Dame, die um ihre Würde bangt. Die Antwort der Männerversteherin: "Weil wir nunmal mit einem Mann zusammensein wollen. Und nicht mit einer Frau". Das sitzt. Und leuchtet irgendwie ein.

Den Groll für die Freundin aufheben

Und wohin dann mit all der Wut, und all den hochgekochten Emotionen? "Erst einmal weg damit", erklärt Dürr. "Schieben Sie den Groll beiseite, ich stelle mir zum Beispiel immer vor, ich sperre ihn in eine Kugel. Heben Sie ihre Gefühle auf für ein Gespräch mit jemandem, der Sie versteht - die Mutter oder eine Freundin."

Wenn gar nichts mehr geht: Die Meta-Ebene funktioniert immer. "Betrachten Sie die Situation von außen", rät die Männerversteherin. Auch wirkungsvoll: erst mal Pause machen, rausgehen, Frust abbauen. Diese Verhaltensweise empfehle sich auch im Büro. Anschließend könne man zurückkommen und einladen zum Lösungsvoschlag.

Hin und wieder hat man es ja mit einem beratungsresistenten Wesen zu tun. Oder aber: Man passt einfach nicht zusammen. Dann gibt es für Saskia Dürr nur eins: Einen sauberen Schlussstrich setzen. "Einen schönen finalen Streit sollte jeder in seinem Leben so ein- bis zweimal geführt haben", empfiehlt Dürr. "Danach ist man frei."

Doch bevor es soweit kommt, kann der Mann sich konstruktiv einbringen: Seit Kurzem bietet Saskia Dürr Seminare auch für Herren an. Der Titel: "Frauenflüsterer". Und warum nicht Frauenversteher. "Männer können Frauen nicht verstehen", sagt Dürr ganz ohne Ironie. Sie müssten etwas anderes lernen, nämlich: das richtige Wort zur richtigen Zeit sagen. Oder eben nicht. "Manchmal wollen Frauen auch einfach nur in den Arm genommen werden", erklärt Dürr. Auf die Idee, dass das auch ohne Sex funktioniere, kämen viele Männer gar nicht.

Spätestens nach dem Seminar bestimmt ...

Immerhin, am Ende ist allen Anwesenden die Bedeutung des Satzes "We agree to differ" glasklar. Nur eines begreift man nicht: Wie man das so lange Zeit nicht verstehen konnte.

Das nächste Seminar "Die Männerversteherin" findet am Montag, 19. Mai, in München statt, "Der Frauenflüsterer am Dienstag, 20. Mai, in Coburg. Weitere Termine und Infos unter www.saskiaduerr.de