Scheidungsmesse Ja, ich will - die Scheidung!

Verliebt, verlobt, verheiratet. Und was dann? Endlich denkt mal jemand weiter: In Wien findet die erste Scheidungsmesse der Welt statt.

Von Violetta Simon

Mit einer Scheidung ist es ein bisschen wie mit dem Tod - obwohl jede zweite Ehe wieder geschieden wird, warten die meisten so lange wie möglich, bis sie sich mit dem Thema auseinandersetzen.

Keinen Bock mehr? Ein Besuch auf der Scheidungsmesse kann weiterhelfen.

(Foto: Foto: iStockphotos)

Zugegeben, im Gegensatz zum Tod kommt man - mit ein wenig Glück und gutem Willen - um eine Scheidung herum. Dennoch ist es sinnvoll, sich zeitig darüber zu informieren, was alles auf einen zukommen kann - und wenn es nur aus Gründen der Abschreckung ist. Dazu haben alle Noch-Paare nun ausreichend Gelegenheit: In Wien findet am kommenden Wochenende die weltweit erste Scheidungsmesse statt.

Die Idee dazu hatte der Wiener Anton Barz bereits vor zwei oder drei Jahren. Das Problem war nur: Wer hat schon Lust, eine Messe mit einem derart negativ beladenen Image zu besuchen? Also überlegte er sich etwas Ansprechenderes und nannte die Veranstaltung "Neustart".

Scheidung als Gelegenheit

Wie der versöhnliche Name bereits erkennen lässt, will diese Messe weniger die negativen Seiten einer Trennung hervorheben als vielmehr Beratung und Informationen für alle Situationen bieten: davor, währenddessen und danach.

Eigentlich kommt der Veranstalter aus einer konkurrierenden Branche - bisher hatte sich Barz auf Hochzeitsmessen spezialisiert. Den Grund für den Wechsel sieht er pragmatisch: "Ich versuche, wachsende Märkte zu erkennen", sagte er in einem Interview, "diesmal ist es eben der Scheidungsmarkt."

Und der boomt: Seit drei Jahrzehnten nimmt die Scheidungshäufigkeit beständig zu. Wurden in den siebziger Jahren rund 15 von 100 deutschen Ehen geschieden, waren es zu Beginn der Neunziger schon doppelt so viele. Im Jahr 2003 lag die Scheidungsrate in Westdeutschland bei mehr als 43 Prozent (Ostdeutschland 37,1) und war damit ebenso hoch wie in Österreich. Absoluter Spitzenreiter in Sachen Scheidungen ist Wien: 66 von 100 Ehen werden wieder getrennt. Insofern ist die österreichische Hauptstadt die perfekte Location für eine Veranstaltung dieser Art.

Wer gerne wissen möchte, wie man eine Trennung ohne Rosenkrieg vollzieht, kann zu dem Thema Vorträge besuchen. Dort erfahren Eltern auch, wie sich eine Scheidung auf Kinder auswirkt oder wie man als Alleinerziehender zurechtkommt. Der Besucher erhält praktische Infos zu Ehe- und Scheidungsrecht, aber auch zu Fürsorge und Alimente-Regelung.

Anton Barz hat wirklich an alles gedacht: Eine Firma der Erzdiözese Wien bietet sogar Vaterschaftstests an. Wenn es schnell gehen muss, helfen Immobilienfirmen bei der Suche nach einer Ersatzwohnung. Besonders pikant: Eine Detektei übernimmt Observationen. Und wenn alles überstanden ist, bucht man ein Entspannungswochenende für frisch Getrennte.

Aber nicht nur wild entschlossene Scheidungskunden will der Veranstalter ansprechen. Auch Paare, die heiraten wollen, sind hier richtig: Sie erfahren unter anderem, wie man einen Ehevertrag aufsetzt und was man vorab regeln sollte - nur für den Fall.

Was die Zielgruppe betrifft, ist man überhaupt großzügig: "Sie müssen nicht verheiratet sein, um die Messe besuchen zu können!" heißt es auf der Homepage. Willkommen ist also auch, wer sich noch in wilder Ehe befindet und bereits an Trennung denkt.

Die Scheidungsmesse "Neustart" findet am 27. und 28. Oktober im Hotel Marriott in Wien und am 17. und 18. November im Arcotel in Linz statt.

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