Promis, die keiner kennt:Hey, ich bin berühmt!

Es gibt Menschen, die sind bei Millionen Menschen bekannt - und keiner kennt ihren Namen. Einer davon ist Spencer Elden, das Baby auf dem Cover des Nirvana-Albums "Nevermind".

Jürgen Schmieder

Betrachtet man die Casting-Shows, die derzeit im Fernsehen inflationieren, bekommt man den Eindruck, das wichtigste Ziel im Leben sei es, berühmt zu werden. Ob es nun die Warhol'schen 15 Minuten sind, ein Leben als A-Promi oder ein Schattendasein im Blitzlichtgewitter, ist dabei vollkommen unerheblich. Hauptsache berühmt.

Spencer Elden

Spencer Elden: Auf dem Cover und als 16-jähriger junger Mann.

(Foto: Screenshot: VH-1)

Das führt dazu, dass es Berühmtheiten gibt, die keiner kennt. Klingt paradox, ist aber so. Eine dieser Personen ist Spencer Elden, an ihm lässt sich ein interessantes Experiment durchführen. Kaum jemand kennt seinen Namen, doch viele Menschen haben seinen Penis gesehen. "Es ist schon beängstigend, dass mich so viele Menschen nackt gesehen haben", sagte er kürzlich in einem Interview.

Elden ist der Junge auf dem Cover des Nirvana-Albums "Nevermind", das 1991 in die Plattenläden kam. Es zeigt ein nacktes Baby im Wasser, das lachend auf eine Dollar-Note an einem Angelhaken zuschwimmt. Die Idee zu dem Bild stammt von Kurt Cobain, nachdem er mit seinem Drummer Dave Grohl im Fernsehen einen Bericht über Unterwassergeburten gesehen hatte.

Fotograf Kirk Weddle suchte für das Shooting nach einem Baby. Fündig wurde er beim befreundeten Ehepaar Renata und Rick Elden. Er bot ihnen 200 Dollar, damit sie ihren Sohn Spencer ins Wasser warfen. Die Eldens waren einverstanden und nach fünf Wasser-Würfen hatte Weddle ein perfektes Foto geschossen, der Dollar und der Angelhaken wurden nachträglich eingefügt. "Wir haben nicht damit gerechnet, dass dieses Album ein derartiger Erfolg werden würde."

Nevermind wurde zu einem der erfolgreichsten Alben in der Geschichte, die Songs zu Hymnen einer ganzen Generation. Elden bekam von der Plattenfirma eine Platin-Schallplatte geschenkt. "Ich glaube, ich bin die jüngste Person, die jemals so ein Ding bekommen hat", sagt Elden.

Probleme mit seinem Ruhm hatte er nur, als er als Teenager versuchte, Frauen anzusprechen. "Ich habe so blöde Sprüche gesagt wie: 'Möchtest du sehen, wie mein Penis jetzt aussieht?' Das hat nie funktioniert." Elden besucht mittlerweile die Highschool, was jedoch nicht bedeutet, dass er dem Musikbusiness den Rücken gekehrt hat.

2001 stellte er für das Rolling Stone-Magazin das Foto nach, 2003 tauchte er wieder auf einem Plattencover auf. Es war "The Dragon Experience", das dritte Album der Industrial-Band Skinny Puppy's cEvin Key. Sein Vater Rick glaubt fest daran, dass sich das Shooting für seinen Sohn auszahlen wird: "Jeder Teenager hat damals das Album gekauft. In ein paar Jahren wird ein Firmenboss nach Hause gehen und seiner Frau erzählen: 'Du glaubst nicht, wen ich heute eingestellt habe: Den Typen vom Nirvana-Cover!'"

Spencer Elden wird sein Leben lang berühmt sein. "Das ist cool", sagt er. Seinen Namen kennen nur wenige Menschen, er kann unerkannt die Straße hinunterlaufen. Kann es für einen Promi etwas Schöneres geben?

© sueddeutsche.de/mmk
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