Promis bei US-Truppen Kein Glamour in Bagdad

Es gehört zur amerikanischen Tradition, dass Prominente wie Marlene Dietrich und Marilyn Monroe die Truppen besuchen - nur nach Bagdad will keiner mehr. Die Geschichte eines Krieges anhand der Promis.

Von Jürgen Schmieder

Marilyn Monroe unterbrach sogar ihre Hochzeitsreise. Sie war im Februar 1954 mit ihrem Mann Joe di Maggio in den Flitterwochen in Japan, als sie beschloss, nach Korea zu reisen, um die amerikanischen Truppen zu besuchen. Vor mehr als 100.000 Soldaten trat sie innerhalb von vier Tagen in zehn Shows auf. Nach der Reise sagte sie: "Es war das Beste, was mir je passiert ist. Noch nie habe ich mich von ganzem Herzen wie ein Star gefühlt - bis jetzt."

Es gehört zur amerikanischen Tradition, dass Prominente wie Marilyn Monroe die Truppen im Ausland besuchen. Organisiert werden diese Reisen von United Service Organizations (USO), die sich um das Wohlergehen der Streitkräfte im Ausland kümmert. Sie wurde am 4. Februar 1941 gegründet und geht auf eine Initiative des damaligen Präsidenten Franklin D. Roosevelt zurück. Unter dem Slogan "Home Away from Home" wurden Clubs und Zentren dort gegründet, wo amerikanische Soldaten stationiert waren.

Während des Zweiten Weltkriegs besuchten die Marx Brothers, Marlene Dietrich und Fred Astaire die amerikanischen Truppen, die in Europa stationiert waren. Nach Korea fuhren neben Marilyn Monroe auch Jane Russell und Errol Flynn.

Der Vietnam-Konflikt sorgte für eine Inflation von Promi-Besuchen bei den Soldaten. Jayne Mansfield und Raquel Welch posierten vor den GIs, Nancy Sinatra und Sammy Davis Junior gaben Konzerte, John Wayne und Martha Raye unterhielten sich mit den Soldaten.

Einer war bis 1990 an allen Schauplätzen dabei: Bob Hope. Seine Weihnachts-Specials mit den Soldaten gelten inzwischen als legendär. Es waren stets die A-Promis, die zu den Truppen fuhren - das Beste, was das amerikanische Showbusiness zu bieten hatte.

So war es auch nach dem 11. September 2001, als sich Prominente förmlich darum rissen, die im Ausland stationierten Truppen zu besuchen. "Wir hatten gar nicht genügend Flugzeuge, um alle ausfliegen zu können", sagt Wayne Newton, der für USO Prominente anwirbt. Jennifer Lopez, Brad Pitt und Angelina Jolie flogen zu den Soldaten.

Im März 2003 waren mehr als 200.000 Soldaten in der Golfregion stationiert, als der damalige amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld verkündete, dass die Stärke der Truppe für einen Angriff auf den Irak ausreiche. In der Nacht zum 20. März feuerten die USA 40 Marschflugkörper auf den Irak ab, der Zweite Golfkrieg hatte begonnen.

Während der Krieg selbst kontrovers diskutiert wurde, hielt die moralische Unterstützung der Truppen weiter an. 51 Promis, darunter Bruce Willis, Ben Affleck und Brittany Murphy reisten in den Nahen Osten. Kid Rock gab ein Konzert, Arnold Schwarzenegger war in einer Doppelfunktion als Schauspieler (es wurde "Terminator 3" gezeigt) und Gouverneurs-Kandidat vor Ort. Auch 2004 waren die Besuche auf hohem Niveau. Schauspieler Robin Williams, Footballstar John Elway und der Rapper 50 Cent besuchten die Soldaten.

Noch bis mindestens 2013 im Land

Vor zwei Jahren ließ das Interesse zumindest der A-Promis merklich nach. Sie wollen vor allem nicht den Anschein erwecken, den Krieg zu unterstützen. "Das tun sie aber nicht", sagt Newton. "Ich sage ihnen, dass diese Männer und Frauen da drüben sind, weil sie unser Land geschickt hat. Und es ist unsere Pflicht, diesen Menschen so viel Freude wie möglich zu machen."

Da die A-Promis ausbleiben, müssen andere einspringen. Im Jahr 2005 waren die Cheerleader der Dallas Cowboys und die Sängerin Jessica Simpson die größten Namen, im vergangenen Jahr kamen noch Schauspieler Chuck Norris und Komödiant Al Franken. Der war aber vor allem in seiner Mission als Politiker unterwegs - er kandidiert 2008 als Senator für den Bundesstaat Minnesota.

In diesem Jahr waren gerade einmal elf Promis bei den Soldaten, Musiker David Grier und Komödiant Jamie Kennedy waren die bekanntesten, obwohl beide eher in die Kategorie C-Promi fallen.

Sollte es doch einmal einen der Superstars in die Golfregion verschlagen, dann stellt der bei seinem Besuch fest, dass es ihm nicht um die Unterstützung des Krieges gehe. Robin Williams etwa sagte bei seinem Besuch 2005: "Ich bin wegen der Truppen hier, nicht wegen W!" Angelina Jolie besuchte vor zwei Monaten erst Flüchtlinge und dann einige Soldaten aus den USA und anderen Ländern. Sie sagte: "Ich bin nur hier, um auf die Notlage derer hinzuweisen, die durch den Krieg ihre Wurzeln verloren haben."

Nun haben selbst die Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei - Hillary Clinton, John Edwards und Barack Obama - verkündet, dass sie nicht glauben, einen kompletten Truppenabzug bis zum Ende einer ersten Amtsperiode im Jahr 2013 realisieren zu können.

Das bedeutet noch mindestens fünf Jahre Dienst für die Soldaten im Irak. Das sind fünf Jahre, in denen die USO dafür sorgen muss, dass irgendjemand die Truppen besucht - und plötzlich dankbar ist, dass es diese riesige Zahl an Talentshows gibt.