Online-Umfrage:Mehr als jeder dritte Harry-Potter-Leser sieht sich in Hufflepuff

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"Harry Potter und die Kammer des Schreckens"

Mutig wie Harry (Daniel Radcliffe) und Ron (Rupert Grint) - so sind die Bewohner des Hauses Gryffindor.

(Foto: Reuters)

Warum nur wählen so viele Deutsche ausgerechnet das langweiligste der vier Hogwarts-Häuser?

Von Julia Ley

Fast zehn Jahre ist es her, dass der letzte Harry-Potter-Band erschienen ist. Und dennoch sorgt jede noch so kleine Nachricht im Zusammenhang mit dem Zaubererkind, "dem Jungen, der überlebt hat", für aufgeregtes Durcheinandergerede und spitzfindige Fachwissensvergleiche unter Fans. Autorin J.K. Rowling schmeißt ihren nach Neuigkeiten aus der Zauberwelt darbenden Anhängern regelmäßig kleine Brocken hin, meist in Form von Kurzgeschichten oder Tweets. Erst kürzlich ließ sie den Super-Heuler platzen: Es wird einen achten Band geben.

Mit dieser Hogwarts-Meldung hat sie aber ausnahmsweise nichts zu tun: Das Online-Meinungsforschungsinstut Yougov hat 1477 Menschen befragt, welchem der vier Häuser, in denen die Hogwarts-Zauberschüler wohnen, sie sich selbst zuordnen würden. Das Resultat: Nicht dem potterschen Heldenhaus Gryffindor wollen die meisten Deutschen angehören, nicht dem Haus der Weisen, Ravenclaw, nicht einmal der gruseligen, aber auch auch fazinierenden Brutstätte des Bösen, Slytherin. Nein, sie sehen sich in Hufflepuff. Was? Ja, richtig gehört, Langeweile-Hufflepuff. Dem Haus, von dem man auch nach sieben Bänden nicht mehr weiß, als dass es über Hufflepuff nichts Aufregendes zu wissen gibt.

Es gibt in der Harry-Potter-Serie ganze zwei interessante Figuren, die aus Hufflepuff kommen: Einmal ist da Cedric Diggory, der Harry zwar seine Flamme Cho Chang wegschnappt, aber ansonsten ein grundanständiger Kerl ist, der im trimagischen Turnier an Harrys Seite kämpft und dessen Ermordung Harry lange traumatisiert. Ehrlich und mutig ist Cedric, aber irgendwie auch ein bisschen flach, ohne jeden Konflikt, ein echter Saubermann eben. Genau wie Hufflepuff, jenes Haus, von dem es heißt, dass "jeder dort aufgenommen wird". Sogar der immer freundliche Riese Hagrid lästert über Hufflepuff: "Alle sagen, dass es dort nur ne Menge Trottel gibt." Und dann ist da noch Nymphadora Tonks, mutige Aurorin und später Ehefrau des Werwolfs Remus Lupin. Aber mal ehrlich: Wer wusste bitteschön, dass sie in Hufflepuff war? Eben.

Woher kommt diese Tendenz zum Durchschnitt?

Man sollte Internetumfragen vermutlich nicht überbewerten, aber die Frage drängt sich auf: Was sagt so ein Ergebnis über unsere seelische Verfassung aus? Sind wir Deutschen so von Minderwertigkeitskomplexen gebeutelt, dass wir uns nicht mehr als das langweilige Mittelmaß zutrauen? Gerade einmal 15 Prozent der Befragten sahen sich selbst in Gryffindor, dem Haus der Tapferen und Heldenhaften, aus dem auch Harry Potter stammt.

Vielleicht steckt in diesem Ergebnis aber auch etwas von dieser typisch-deutschen Selbstgerechtigkeit, die stets die eigene Redlichkeit betont. Langweilig, das mögen wir sein, aber auch hart arbeitend, ehrlich und verlässlich - eben jene Eigenschaften, die den Hufflepuff-Bewohnern in den Büchern zugeschrieben werden.

Dritte Möglichkeit: Es liegt an der Fragestellung. Yougov hat in der Umfrage neben den Namen der Häuser auch immer die Werte benannt, für die die Häuser stehen: Intelligenz, Gelehrsamkeit und Weisheit bei Ravenclaw, Tapferkeit und Mut bei Gryffindor, Zielstrebigkeit und Ehrgeiz bei Slytherin - und eben Gerechtigkeit, Treue und Fleiß bei Hufflepuff. Vielleicht haben sich die Befragten mehr an diesen Werten orientiert, als an ihren eigenen Erinnerungen an die Romane. Seltsam ist es dennoch.

Deutlich meinungsfreudiger als bei sich selbst waren die Teilnehmer, wenn es darum ging, bekannte Politiker den Hogwarts-Häusern zuzuordnen. Mehr als 20 Prozent sortierten Frauke Petry und Horst Seehofer auf die Seite des Bösen - nach Slytherin.

Wo sehen Sie sich selbst? Stimmen Sie in unserer Online-Umfrage ab.

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