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Notizen von Marilyn Monroe:Kopfüber, stark wie Spinnweben im Wind

Auf einem New Yorker Dachboden lagerten jahrelang private Notizen, Gedichte und Kochrezepte von Marilyn Monroe. Jetzt werden sie veröffentlicht - und beschreiben eine Frau, die alles andere als eine dumme Blondine war.

Sie hatte mehr Erfolg als alle anderen Schauspieler ihrer Zeit. Und doch war Marilyn Monroe bedrückt und tieftraurig. "Verdammt, ich wünschte ich wäre tot -­ gar nicht vorhanden ­- fort von hier -­ von überall", hielt sie fest. Marilyn Monroe hätte wohl nicht geglaubt, dass ihre geheimen Gedanken irgendwann der Öffentlichkeit preisgegeben werden.

Marilyn Monroe

Sie kam aus zerrütteten Verhältnissen - und stieg zum größten Filmstar ihrer Zeit auf. Nun sind private Notizen von Marilyn Monroe als Buch erschienen.

(Foto: dpa)

Zusammen mit Notizen, To-do-Listen, Einkaufszetteln, Briefen und Kochrezepten für Brathuhn und Roastbeef verstaubten die Aufzeichnungen jahrelang auf dem Dachboden von Anna Strasberg, der 71-jährigen Witwe von Monroes Schauspiellehrer und Nachlassverwalter Lee Strasberg. Nun erscheinen Marilyn Monroes persönliche Aufzeichnungen gesammelt im S. Fischer-Verlag.

Der Band droht, in der Reihe der Biographien und Bildbände über Marilyn Monroe unterzugehen. Allein bei Amazon werden mehr als 60 Bücher über die Suchfunktion Marilyn Monroe gefunden, die meisten gefüllt mit Verschwörungstheorien und Gerüchten rund um ihren Suizid.

Tapfer lieben , das aktuelle Monroe-Buch herausgegeben von Bernard Comment, ist jedoch anders.

Die Sammlung enthält erstmals Marilyn Monroes eigene, teilweise erschütternden Weisheiten. Die Hollywood-Diva schreibt literarisch, mal ironisch, mal hoffnungslos über Beziehungen, ihre Zeit in der Psychiatrie und ihren Ruf als Sexsymbol, den sie immer loswerden wollte - was ihr nie gelang. Auf fast 100 bislang unveröffentlichten Dokumenten, die Monroe innerhalb von 20 Jahren geschrieben hat, finden sich Intima.

"Leben - ich bin von deiner zweierlei Richtung. Irgendwie kopfüber hängend meistens, doch stark wie Spinnweben im Wind", beginnt sie eines ihrer Gedichte.

Auf zwei Seiten beschreibt Monroe ihre erste Ehe mit James Dougherty, den sie 1942 im Alter von 16 Jahren heiratete. Erschüttert wegen der Untreue ihres ersten Mannes schreibt sie: "In dieser Phase kamen mir große Zweifel, ob dieser junge Mann von 21 Jahren meinem unbewussten Bild von einem Traummann nicht unwirklich wäre - wahrscheinlich fühlte ich mich zu ihm als einem der wenigen jungen Männer hingezogen, die mich sexuell nicht abstießen. (...) Ich glaube, meine Liebe, wenn das das richtige Wort ist, war vor allem das herrlich berauschte Gefühl, begehrt, geliebt & umhegt zu werden & etwaige sexuelle Anziehung."

Zeigen, wer sie wirklich war

"Ich habe auch manches richtig gemacht und sogar gut und jetzt phasenweise hervorragend, aber das Schlechte ist schwerer zu ertragen", zitiert der Spiegel aus ihrem Buch. Das Gefühl, geliebt zu werden, hat Monroe, die mit bürgerlichem Namen Norma Jeane Baker hieß, wohl schon früh vermisst: Ihre ledige Mutter konnte nicht für sie sorgen, Monroe wuchs in Pflegefamilien und im Heim auf. Ihr erste Ehe hält nur zwei Jahre, und auch die späteren Beziehungen enden nicht glücklich: 1961 hat die Schauspielerin drei gescheiterte Ehen, zwei Fehlgeburten und zahlreiche Affären hinter sich, sie leidet unter psychischen Zusammenbrüchen, es kommt zu Alkohol- und Drogenexzessen. Nach ihrer letzten Ehe schreibt sie: "Wahrscheinlich hatte ich immer schon bodenlose Angst, wirklich eine Ehefrau zu sein, da ich vom Leben weiß, dass man einander nicht lieben kann, nie wirklich."

Im August 1962 nimmt sich Marilyn Monroe das Leben, sie ist damals erst 36 Jahre alt.

Verleger Bernard Comment will mit seinem Buch erreichen, was Marilyn Monroe bis zu ihrem Tod nicht geschafft hat: Zeigen, wer sie wirklich war. Berühmt wurde sie als erstes Titelmodell des Playboys oder als Sexsymbol mit aufreizend wehendem Kleid über einem Lüftungsschacht. Mit ihren Rollen in Filmen wie Wie angelt man sich einen Millionär? und Manche mögen's heiß gelangte sie zu Weltruhm.

Ihrem Charme sollen auch die Kennedy-Brüder John und Robert nachgegeben haben, für John F. Kennedy, den Präsidenten der USA, hauchte sie - sichtlich benommen - im Mai 1962 das legendäre, öffentlich übertragene "Happy Birthday, Mr. President" im Madison Square Garden in New York ins Mikrofon. Auf sehr viele Männer wirkte Monroe begehrenswert - und gleichzeitig ungebildet, naiv, unerzogen.

Der Blond-Star aus der Traumfabrik konnte nicht einmal einen Schulabschluss vorweisen. Gleichzeitig kontrollierte und pflegte sie ihr öffentliches Bild als einfach gestrickter Männertraum: Aus dem einst natürlichen brünetten Fotomodell war in den 50er Jahren ein vollendetes Sexsymbol mit platinblond gebleichten Haaren herangereift, das sein selbst auferlegtes Image bezüglich Stimme, Gang und Mimik bis zur Perfektion beherrschte.

Ihr Bild in der Öffentlichkeit zeigt jedoch nur eine Facette ihrer Persönlichkeit, davon ist Verleger Comment überzeugt: "Viele Leute sehen in ihr immer noch eine dumme Blondine", sagt er. "Ich denke, dass diese Menschen entdecken werden, dass sie eine Poetin war und ziemlich clever - aber auf eine wunderschöne Art."

Marilyn Monroe: Tapfer lieben. ISBN: 978-3-10-043702-0. Erschienen im S. Fischer-Verlag.