Neues von der Grünen Woche:Wenn's gesund macht

Himalaya-Salz aus Polen, Saft aus Brot und süße Blätter für die Badewanne: Auf der Berliner Ernährungsmesse "Grüne Woche" gibt es allerhand gesunde Merkwürdigkeiten.

Franziska von Kempis

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grüne woche; kempis

Quelle: SZ

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Politisch korrekte Schokoküsse

Klar, man darf das nicht mehr sagen. Aber ehrlich: Der Negerkuss ist Kult. Man kann sich auf Geburtstagen damit bewerfen, Wett-Essen veranstalten oder sich einfach heimlich durch die Packung essen. Dann wurde aus dem Negerkuss der - nicht viel bessere - Mohrenkopf. Und schließlich der Schokokuss, wahlweise auch Schaumkuss, Schaumzapfen oder Naschkuss. Manche nennen ihn auch Süßpropfen. Die hauseigene Bezeichnung der Österreicher ist "Schwedenbombe". Bester Werbespruch: "Mann, sind die Dickmann". Mann, die machen aber auch dick, Mann. Tja, so muss ein Schokokuss eben sein. Groß, schwarz, süß und schaumig.

Und jetzt? Jetzt kommen die Grabower mit der Bio-Masche. Die machen das süße Zeug angeblich gesund und korrekt und kleiner, eben alles, was er nicht sein sollte: das "Grabower Bio-Küßchen". Das ist wie Chips ohne Fett, wie Pommes ohne Öl, wie Hähnchen ohne Brust. Noch schlimmer: Die Grabower Schaumküsse ohne Zucker. Ohne Zucker! Braucht kein Mensch.

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Leichte Mayonnaise

Innere Mitte finden, Seele baumeln lassen, die perfekte Work-Life-Balance erreichen. Da hilft indisches Finger-Yoga, der Wellness-Club, Joggen in New-Balance-Schuhen und die Feng-Shui-Ecke im Wohnzimmer. Auch wenn Gäste zum Essen kommen, ist inneres Gleichgewicht ganz wichtig.

Darum hier das ideale Balance-Menü. Als Aperitif: stilles Wasser auf Bergkristall. Und wer ein leichtes Hauptgericht zubereiten möchte, gibt einfach Balance-Majonnaise dazu. Die ganz federleichte mit noch weniger Fett, als die mit wenig Fett. Also mit fast gar keinem Fett mehr. Auf der Packung hat sie einen überraschenden Ernährungstipp parat. Sie sei nämlich "ideal zu Pommes und Brot", heißt es da. Das ist doch mal echte ausgewogene Ernährung.

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Himalaya-Salz aus Polen

Himalaya-Salz - schon der Name lässt vor dem inneren Auge schneebedeckte Giganten, blauen Himmel, sehnige Sherpas und ihre Mulis vorbeiziehen. Natur pur. Zwar hat Himalaya-Salz mit Himalaya in etwa soviel zu tun wie der Weihnachtsmann mit Ostern. Aber das muss dem kulinarischen Wellness-Erlebnis ja keinen Abbruch tun.

Haupt-Abbruchgebiet für Himalaya-Salz sind Polen und Pakistan. Über die Salzminen weiß man, dass von dort aus der Himalaya selbst bei besten Weitsichtverhältnissen nicht zu sehen ist. Doch Salz ist nicht gleich Salz. In der vorliegenden Probe ist Paprika, Chili und Pfeffer enthalten. Dabei geht's doch gar nicht um den Geschmack: Enscheidend sei der mystisch-heilende Effekt, versichert ein Händler auf der grünen Woche. Das Salz aus Polen soll angeblich Akne, Leberschäden und Übergewicht bekämpfen. Wenn das stimmt, sollte Polen seine Salzbergwerke dringend zu magischen Pilgerorten ausbauen.

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Cornflakes mit Topinambur

Wer unter der seltenen Beschwernis morgendlicher Flatulenz-Blockaden leidet, darf sich jetzt am neuen Frühstücksangebot des sächsischen Müsli-Giganten Wurzener erfreuen. Die neueste Cornflakes-Creation aus der Reihe "Enjoy" wird mit dem Wundermittel Topinambur angereichert.

Das aus der Knolle der Wildfrucht gewonnene Extrakt gilt als außerordentlich Verdauung fördernd. Diabetiker schätzen es, weil es reichlich Inulin beinhaltet. Überdies soll es den Appetit hemmen. Wurzener könnte mit der neuen Produktlinie für eine neue Flatulenz- und Diät-Welle in Deutschland sorgen.

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Stevia-Blätter für ein süßes Bad

In der Jahrhunderte alten Kultur der Badezusätze gibt es eine neue Entwicklung. Neben den bekannten Badesalzen soll jetzt eine Art Blatt-Zucker die Badewanne erobern. Stevia rebaudiana heißt die südamerikanische Pflanze. Sie ist 300 Mal süßer als herkömmlicher Industriezucker.

Wegen einer unangenehmen Nebenwirkung ist Stavia als Zuckerersatz in der Europäischen Union allerdings verboten: Angeblich soll es die Zeugungskraft des Mannes entscheidend in Gefahr bringen. Ganz belegt ist das noch nicht, und baden kann man trotzdem drin.

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Flüssiges Brot

Es gibt Getränke im Biomarktregal, die tunlichst dort stehen gelassen werden sollten. Erster Anwärter auf den Titel "Ladenhüter des Jahres" müsste der Brot-Trunk sein. Es gibt ihn pur oder auch mit Apfelsaft. Das Zeug sieht unappetitlich aus und schmeckt, wie es aussieht. Saft aus Brot - allein der Herstellungsprozess schreckt ab.

Eine spezielle Brotmischung aus Steinsalz, Sauerteig, Roggen, Hafer und Weizen wird mit Quellwasser versetzt, das dann monatelang vor sich hin gären soll. Entscheidend sind dabei ganze Myriaden von Bakterien, die sich über das Brot hermachen und offenbar etwas ausscheiden, was manche Zeitgenossen als besonders gesund betrachten.

Text und Fotos: Franziska von Kempis

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