Nachwuchsdesigner Götter am Modehimmel

Die großen Modewochen stehen an: Was kommt, ist noch geheim. Aber so viel vorab: Dies werden die Designer-Stars der Saison.

Von Verena Stehle und Antje Wewer

PARIS

Das Modehaus Givenchy erlebt gerade einen großen Hype: Chefdesigner Riccardo Tisci wird in der Presse in höchsten Tönen gelobt.

(Foto: Foto: Getty)

Paris war immer die Grande Dame unter den Modewochen: gesetzt, elitär, unbeeindruckt von allzu Neuem. In jüngster Zeit aber mehren sich die Hypes. Letztes Jahr war es die "Balmainia": Plötzlich war das Modehaus Balmain so angesagt, dass sich Frauen für eine 2600-Euro-Jeans von Kreativchef Christophe Decarnin freiwillig verschuldeten.

Diese Saison liegt das Epizentrum der Aufregung in der 44 rue François 1er, 75008 Paris; Stammsitz von Givenchy, dem Label, das schon Alexander McQueen leitete. Seit 2005 ist Riccardo Tisci Chefdesigner. Noch vor zwei Jahren wurde der Italiener gemobbt: Die Presse nannte seine Kollektionen "mess", Chaos, und auch die Modekritikerin Suzy Menkes war kein Fan.

Heute aber hat der Central-Saint-Martins-Absolvent seinen Stil gefunden - und Schauenkritiken lesen sich, als habe man die Jubelchöre nach einem Lady Gaga-Konzert zu einer Endlosschleife zusammengeschnitten: fabelhaft, diese Kreuzungen aus Grufties und griechischen Göttinnen, und erst diese couturige Umsetzung, ganz fabelhaft!

Als "hardcore-hip" wird Tiscis Givenchy bezeichnet - was auch daran liegen mag, dass so geheimnisvolle, zauberhübsche Jetset-Eulen wie Leigh Lezark und Julia Restoin-Roitfeld auf Partys nur in Givenchy erscheinen. Das können jetzt alle: Seit Herbst ist Givenchy "Redux" auf dem Markt, eine günstige Best-of-Kollektion des Luxuslabels. Verständlich also, dass die Japaner Givenchy gerade in einer Umfrage zur zweitheißesten Modemarke kürten - gleich hinter Alexander Wang. Aber noch vor Balmain. Voilà!

Bei dieser und anderen Modenschauen werden Modechefinnen synchron in ihre Blackberrys tippen, welches Shirt sie für die Yacht-Fotostrecke brauchen oder welchen Gürtel Scarlett Johansson beim nächsten Editorial-Shooting tragen soll.

Nicht so bei Isabel Marant. Hier werden sie im Isabel-Marant-Pythondress in der vorderen Reihe kauern und notieren, was sie selber gerne hätten. Jogginghose? Haken. Pinke Tunika? Haken. Tweedjäckchen? Haken. Zottelstiefel? Haken! Seit der französische, gutbürgerlich-intellektuelle Chic weltweit nachgeahmt wird, und Vorzeige-Franzosen wie Lou Doillon und Camille Bidault-Waddington in Modeblogs auf ihre Outfits reduziert werden, fällt der Name Isabel Marant gefährlich oft.

Denn, apropos, Bidault-Waddington stylte schon ihre Show, und jede kleine Parisienne trägt Isabel Marant. Die Designerin ist mit ihren 42 Jahren zwar schon ein alter Hase in der Branche (seit nunmehr 15 Jahren kreiert sie Mode), außerhalb Paris kannten sie aber nur Insider. Caroline Sieber, Stylistin und Chanel-Groupie, gestand in einem Interview: "Ihr Pariser Shop ist einer der ersten Orte, wo ich hingehe, wenn ich in Paris ankomme. Alles sehr einfach zu tragen!"

In diesem Monat noch eröffnet Isabel Marant ihren ersten Laden in New York, bald gibt es ihre Mode auch online zu kaufen. Was mit diesem anderen französischen, einst irre gehypten Mädchenlabel ist, Chloé? Das schon als das Chanel der Jungen galt und jetzt von dieser Blondine verantwortet wird, Hannah MacGibbon? Ach, wenn es nicht Gas gibt, ist es bald: abgehängt.