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Kultur:Bühne frei!

Coronavirus - Spanien

Ein ganz besonderes Publikum: Die Oper in Barcelona eröffnete den Betrieb wieder mit einem Konzert vor 2292 Topfpflanzen.

(Foto: Emilio Morenatti/dpa)

Viele Konzertsäle, Theater und Clubs sind wegen der Pandemie immer noch geschlossen. Was machen die Künstlerinnen und Künstler? Sie spielen an anderen Orten. Und die haben es in sich: Sechs Beispiele für ziemlich ungewöhnliche Auftritte.

Von Mascha Gilly

Im leeren Saal

Die Oper "El Liceu" in Barcelona öffnete vor zwei Wochen ihre Türen wieder - allerdings vor besonderem Publikum: 2292 Topfpflanzen lauschten den Klängen von vier Musikern. Ein spanischer Künstler verteilte die Pflanzen nach dem Opernabend an Ärzte und Krankenpfleger, die in der Corona-Zeit viel zu tun hatten.

Auf den Dächern

Auf sehr besonderen Dächern Berlins - zum Beispiel dem Bodemuseum oder der Friedrichswerderschen Kirche - geben derzeit DJs ihre Sessions. Man kann von unten zuhören oder per Livestream dabei sein. Apropos Internet: Eigentlich sollte dieses Wochenende Erlangen im Comicfestival aufgehen. Jetzt digital unter comic-salon.de - mit eigenem Kinderprogramm!

Im Hof

Seitdem Live-Konzerte verboten sind, setzt sich die Münchner Hochzeitskapelle auf Garagendächer, in Innenhöfe oder an Straßenkreuzungen und macht Musik. Dabei hoffen Sie auf kühle Getränke und kulturrettende Spenden. Auch das Berliner Ensemble ist von der Theaterbühne in einen Innenhof gezogen und führt dort Abstandsstücke auf.

Auf dem See

Boats and Beats ist ein bisschen wie Autokino (auch super!). Statt auf einem Parkplatz trifft man sich einfach auf einem See: in einem Ruderboot sitzen die Künstler, in anderen, abstandsgerecht verteilt, die Zuhörer. Sogar Picknickkörbe kann man mieten. Das nächste Konzert auf dem Waldteich im Erzgebirge ist am 1. August. Könnte man öfter machen.

Im Park

Zum Beispiel das Berliner Staatsballett: Das verlegte die Probebühne kurzerhand in den Park. Und die Sängerin Lea, bekannt aus Sing Deinen Song, gibt bald eines dieser Picknick-Konzerte. Die gibt es schon in Leipzig und Dresden und bald wahrscheinlich in anderen Städten. Man hört Künstlern zu wie Die höchste Eisenbahn oder Faber oder Mine und schaut dabei in den Abendhimmel. Gibt's was Schöneres?

Im Versteck

In der Besenkammer, dem Technikraum, auf der Toilette? Im Theaterparcours spielen Schauspielerinnen und Schauspieler des Residenztheaters München Szenen an ungewohnten Orten. Die Zuschauer gehen in Kleingruppen von Mini-Bühne zu Mini-Bühne. In Dresden, Stuttgart und München geben weltberühmte Musikerinnen und Musiker eins-zu-eins Privatkonzerte: am stillgelegten Flughafen, im Rittersaal oder im leeren Bibliothekslesesaal.

© SZ vom 11.07.2020

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