Kindererziehung Schon als Embryo werden wir geprägt

Natürlich spielen neben sozialen Ursachen und Umwelteinflüssen wie dem Kulturkreis auch die Gene eine Rolle. "Eine Veranlagung zu bestimmten Verhaltensmerkmalen wie Aggressivität kann in unseren Genen festgelegt sein, aber ob sich das auch in der Persönlichkeit ausdrückt, kommt auf den Anteil der Erblichkeit an sowie auf die Umwelteinflüsse.

Und auch dann heißt das noch lange nicht, dass dieser Mensch sich je aggressiv verhält", erklärt Bernhard Horsthemke vom Institut für Humangenetik am Universitätsklinikum Essen. Während die Körpergröße eine Erblichkeit von fast 100 Prozent habe, liege die der Aggressivität bei circa 40 Prozent.

Durch die Erkenntnisse der Epigenetik weiß man heute zudem, dass sich Umwelteinflüsse auf das Genom niederschlagen und es langfristig beeinflussen können, und damit Narben im Erbgut hinterlassen. "Wenn werdende Mütter sehr großem Stress ausgesetzt sind, kann auch das Baby im Mutterleib etwas davon abbekommen", so Horsthemke. "Das kann so weit gehen, dass sogar die Eizellen im Embryo bereits davon beeinflusst werden."

Silvia Dirnberger-Puchner wurde in ihrer Kindheit häufig geschlagen. Würde ihr heute jemand sagen, sie wäre in ihrer Rolle als Mutter wie ihre Mutter, wäre sie stocksauer: "Denn ich habe keines meiner vier Kinder je geschlagen." Verhaltensweisen, die uns geprägt haben, kann man nicht einfach löschen. Es dauert mitunter Jahre, alte Pfade zu verlassen. Silvia Dirnberger-Puchner hat Frieden mit ihren Eltern geschlossen, für sie ist entscheidend, wie man die Vergangenheit sieht: "Hadere ich oder finde ich: Wo viel Schatten ist, muss auch viel Licht sein?"

Vielleicht sollte man es sicherheitshalber mit dem Ratschlag des Autors Paul Watzlawick halten: In der Wahl seiner Eltern kann man nicht vorsichtig genug sein.