Internet-Video zu Porn Sex vs. Real Sex:Kein Porno für Jugendliche

Aber darf man den Jugendlichen nicht mehr Souveränität im Umgang mit Youporn & Co. zutrauen? Schließlich sind sie den Umgang mit dieser Stimulation gewöhnt. "Die Entwicklungspsychologie und die Hirnforschung haben darauf eine eindeutige Antwort: nein", sagt Pastötter. In diesem Alter beginne sich diese Fähigkeit erst allmählich zu entwicklen - und selbst Erwachsene bekämen das manchmal noch nicht hin.

Viele Sexualforscher hingegen sind überzeugt, dass Jugendliche Porno und Realität sehr wohl unterscheiden können. Die Meinungen gehen auseinander. Therapeuten und Sozialarbeiter schlagen Alarm, weil sie berufsbedingt die Schattenseite kennen; sie registrieren sexuelle Übergriffe und behandeln traumatisierte Mädchen. Der Hamburger Sexualtherapeut Andreas Hill schreibt in der Zeitschrift für Sexualforschung, Jugendliche ließen sich von der pornografischen Realität beeinflussen, obwohl sie die Wahrheit kennen würden - ähnlich wie von der Werbung, der man misstraue, um dann doch die bekannten Frühstücksflocken zu kaufen.

Eine, die den Unterschied genau kennt, ist die Internet-Unternehmerin Cindy Gallop. Die 53-Jährige gehört zur Generation, die definitiv ohne Youporn aufgewachsen ist. Die Männer hingegen, mit denen sie ins Bett geht, sind es nicht: Gallop schläft mit 20-Jährigen. "Wenn ich Sex mit ihnen habe", erklärte sie 2009 auf der TED-Konferenz in Monterrey, "begegne ich sehr direkt und persönlich den Folgen der schleichenden Ausbreitung der Hardcore-Pornografie in unserer Kultur."

Wie vertraut die Normen der Pornografie unserem Kulturkreis mittlerweile sind, illustriert die Unternehmerin auf ihrer Webseite makelovenotporn. Durch die direkte Gegenüberstellungen von Phantasie, "porn world", und Realität, "real world", enttarnt und relativiert Gallop Pornoklischees wie diese: dass Frauen unten keine Haare haben, auf Analsex stehen und wollen, dass Männer ihnen ins Gesicht ejakulieren. Dass Frauen es lieben, als Nutte oder Schlampe bezeichnet zu werden. Dass sie es mögen, wenn er vor ihr steht und sie an den Haaren nach unten zieht, um sie daran zu erinnern, dass sie noch einen Blowjob zu erfüllen hat. Dass sie jedes Mal kommen, egal in welcher Position, ganz ohne klitorale Stimulierung, und bereits feucht werden, wenn man nur mal kurz den Finger hineinsteckt.

Aber auch die Realität erfährt der User: Dass dirty talk, blowjob und Samen auf der Nase total in Ordnung sind - nur eben nicht jedermanns Geschmack. Damit diese Realität nun auch die Jugendlichen erreicht, soll Youporn Schule machen. Das finden jedenfalls die bayerischen Piraten. Sie fordern in ihrem aktuellen Wahlprogramm zur Landtagswahl die Verwendung von Youporn-Videos im Unterricht: "Die Kids gucken das sowieso. Und wenn sie dann Fragen an die Lehrer haben, können sie die gar nicht beantworten, weil sie die Videos nicht mit den Schülern anschauen dürfen", sagt Tina Lorenz, kulturpolitische Sprecherin der bayerischen Piraten, zu Süddeutsche.de.

Sollte die Idee mit den Youporn-Videos in der Schule keine Befürworter finden, können die Lehrer notfalls immer noch auf das Gemüse-Filmchen zugreifen. Ist vielleicht auch besser für die Konzentration der Schüler.

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