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Homeoffice:"Papa malt sehr komische Sachen"

Illustration: Lote Vitina

In der Corona-Zeit arbeiten viele Eltern daheim, ob als Journalistin, Ergotherapeutin oder Prozessingenieur. Stören darf man nur, wenn es einen Lego-Notfall gibt. Aber was genau machen die da eigentlich den ganzen Tag? Sechs rätselhafte Beobachtungen.

Protokolle: Katrin Freiburghaus

Leo, 6:

"Arbeiten, arbeiten, arbeiten! Das nervt, und dann auch noch in einer fremden Sprache. Meine Mama redet bei der Arbeit Englisch. Sie muss immer pünktlich sein und hat keine Zeit zum Spielen. Sie telefoniert. Mit Video. Da kann sie nicht einfach zwischendurch aufhören. Ich gehe dann allein spielen. Bei Konferenzen muss ich aber aus dem Zimmer. Sie macht irgendwas mit Fußball, aber nicht spielen. Sie macht das, um Geld zu verdienen. Wozu das sonst gut ist, weiß ich auch nicht."

Mia, 5:

"Mein Papa malt. Komische Sachen. Striche und manchmal Zahlen drunter. Dann wieder lange Zahlen, Striche. Ziemlich komisch sieht das aus. Das erste Mal habe ich das gesehen, als ich im Büro bei ihm war. Das war vor Home-Office. Da hat er mit jemandem gesprochen und immer wieder gemalt und immer wieder draufgedeutet. Und obwohl es so wichtig sein sollte, hat der Mensch es am Ende nicht mitgenommen und mein Papa es danach einfach weggeworfen. Jetzt arbeitet er nur noch am Telefon. Seine Malerei macht er weiter."

Henriette, 8:

"Ich dürfte nie so lange vorm Bildschirm sitzen. Papa schon. Er programmiert dann irgendwas. Ich durfte da mal zugucken. Schon spannend. Aber immer? Manchmal muss er in der Nacht arbeiten. Ich fand es besser, als Papa zur Arbeit gegangen ist, dann hatte er zu Hause mehr Zeit für mich. Im Home-Office war er zwar da, musste aber oft telefonieren und Videokonferenzen machen. Da durfte ich nicht stören."

Theo, 7:

"Meine Mama kontrolliert Texte. Ich erkenne das daran, dass das Blatt schon voll ist, bevor sie überhaupt anfängt zu arbeiten. Oft spricht sie mit mehreren Leuten gleichzeitig. Manchmal sind es fünf! Wenn ich ganz leise bin, bemerkt sie nicht, wenn ich heimlich zuhöre. Nur wenn ich störe, gibt's Ärger. Außer, wenn es wirklich wichtig ist. Wenn ich Arme anbauen muss zum Beispiel. Beim Lego. Mama hat einen eigenen Raum zum Arbeiten. Papa auch - aber im Keller."

Maris, 7:

"Mama arbeitet mehr als sonst. Sie muss ganz, ganz viel ausdrucken, da darf ich die Blätter aus dem Drucker holen. Sie hat auch mit einem Video gesprochen. Da waren ihre Kollegen drin. Wenn sie arbeitet, braucht sie ihre Ruhe. Erst schreibt sie auf, was ihre Schüler machen sollen. Und dann, was sie gesagt haben. Manchmal überlegen die Schüler in der Zeit, was ich spielen könnte. In der Wohnung Seilspringen oder so."

Fenja, 7:

"Ich finde es besser, wenn Papa auf Arbeit arbeitet. Dann sitzt er nicht die ganze Zeit im Weg und stört beim Spielen. Aber wenn er hier arbeitet, putzt er früh noch mit uns Zähne. Immerhin. Mein Papa baut Sachen zusammen. Also nicht wirklich, sondern im Computer. Er hockt da stundenlang davor und gibt irgendwas ein. Er hat auch einen Plan. Ein bisschen wie bei einer Bastelanleitung. Nach der Arbeit macht er eigentlich das Gleiche, bloß ohne Computer: Dann sammelt er elektrische Teile, die auf dem Boden liegen. Kaputte Kabel etwa und Drähte."

© SZ vom 01.08.2020

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