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Hightech im Alter:Mit 90 hat man noch Träume

Die totale Vernetzung des Rentners: Sportliche Fernsehsessel und Rollatoren mit Navigationsgeräte sollen in der Zukunft das Leben im Alter erleichtern.

Auch die iPhone-Generation wird einmal alt sein. Die Generation, die dank Blackberry pausenlos durchs Internet surft, die dank GPS bin in den hintersten Winkel der Welt reist, und die via überdimensionierter Flatscreens das Wort "Heimkino" Wahrheit werden ließ.

hightech für senioren, teppich mit sensoren

In Zukunft kann man problemlos in seiner Wohnung zusammenbrechen: Der Sensor-Teppich alamiert die Feuerwehr.

(Foto: Foto: Hersteller)

Soll all der technische Zauber im greisen Alter vorbei sein? Dürfen wir dann nicht mehr mitspielen? Müssen wir zusehen, wie die Jüngeren mit technischen Neuerungen an uns vorbeiziehen? Nein, auch im Alter werden wir allerlei Knöpfchen bedienen dürfen - es wird jede Menge Hightech für uns Senioren für morgen geben. Nur der Schwerpunkt wird sich verschieben: Im letzten Lebensabschnitt steht die Gesundheit im Mittelpunkt.

Da gibt es zum Beispiel den Rollator mit Navigationsgerät. Bei dieser Gehhilfe befindet sich zwischen den Handgriffen ein kleiner Bildschirm. Er lotst den "Fahrer" zu seinem Ziel. "Mit solch einem Navigator kann auch jemand, der sich sonst schwer zurechtfindet, den Speisesaal im Pflegeheim problemlos finden", sagt Elisabeth Steinhagen-Thiessen. Sie leitet die Forschungsgruppe Geriatrie des Berliner Universitätsklinikums Charité. Hier beschäftigt sich das Projekt Smart Senior mit der Entwicklung "intelligenter Assistenzsysteme" für Senioren, sprich moderne Krücken - elektronisch und digital.

Wenn beim Fahren im Auto auch das Navi nicht mehr helfen sollte, könnte in Zukunft ein solches Assistenzsystem einspringen. Bei einem Notfall wie einem Herzinfarkt soll das System selbstständig die Steuerung übernehmen und das Auto verkehrssicher zum Halten bringen.

Big Wohnung is watching you

Nach dem sicheren Stopp ist für den Notfallpatienten gesorgt: Ein hochintelligentes Armband mit mikroskopisch kleinen Sensoren misst die Vitaldaten des Trägers - Puls, Blutdruck und Temperatur - und leitet sie an eine Servicezentrale weiter. Im Falle eines Notfalls kann dann per GPS der Armbandträger geortet werden. Auch am Straßenrand.

Wer es sich lieber zu Hause bequem macht, wird auch hier künftig nicht allein gelassen. Das Bundesministerium für Forschung und Bildung fördert Projekte, die darauf abzielen, normale Alltagsgegenstände in ein zentral gesteuertes Assistenzsystem einzubinden.

So könnte schon bald der simple Fernsehsessel den Senioren zu sportlicher Betätigung verhelfen. Begeisterte Tour-de-France-Fans könnten vor dem Fernseher sitzen und fleißig mit in die am Sessel befestigten Pedale treten. Wer auch im fortgeschrittenen Alter Wert auf Armmuskeln und Beweglichkeit legt, kann im Sessel sitzend trainieren. Es soll Sessel geben, deren Armlehnen sich auf Knopfdruck in Bewegung setzen - man muss diesen einfach nur folgen. Dazu bietet sich dem Flatscreen-Besitzer vielleicht schon bald die Gelegenheit, sich via Bildschirm auf den Benutzer zugeschnittene Sportübungen vormachen zu lassen.

Generell ist die Senioren-Wohnung der Zukunft ein hochintelligenter Ort. Der Fußboden (der Firma Future-Shape) sorgt dafür, dass das Licht angeht, wenn nachts jemand aufsteht. Integrierte Sensoren erkennen und analysieren die Position und das Bewegungsverhalten der Person. So ist auch bei einem Sturz der Fußboden direkt zur Stelle und löst einen Notruf aus. Er "spürt", dass da jemand Hilfe braucht.

Wer die Wohnung verlässt, um eventuell in sein perfekt abgesichertes Auto zu steigen, kann sich sicher sein, dass hinter ihm per Fußboden alle gefährlichen Geräte ausgeschaltet werden. Frei nach dem Motto "Big Wohnung is watching you". Und wer weiß, vielleicht kocht der Herd im Jahr 2090 von selbst, und die Fenster sind selbstreinigend, damit niemand mehr von der Leiter zu fallen braucht.