Grace Kelly Die Fürstin des Glamours

Ein halbes Jahrhundert später noch immer begehrt wie eh und je: Die Kelly Bag, benannt nach der glamourösen Grace Kelly, zehrt noch immer vom Glanz ihrer Trägerin. Dabei hat die Tasche eine praktische Vergangenheit.

Von Ines Schipperges

Nach den Göttinnen der Anmut benannt zu werden, ist zunächst mal keine Gnade, sondern eine Riesenhypothek. Aber Grace Kelly war auch kein normaler Mensch, sondern purer Glamour. Auf der Höhe ihrer Filmkarriere wirkte der Hollywood-Star, die öffentliche Kelly, gleich wie alle drei antiken Grazien zusammen: blühendes Glück. Frohsinn. Glanz.

Grace Kelly und die Kelly-Bag.

(Foto: Foto: AP)

Vielleicht verwundert es deshalb weniger, wenn eine Modefirma ein Produkt nach einer Schauspielerin benennt - und es nach 52 Jahren sowohl Produkt als auch den Namen immer noch gibt. Als sich Grace Kelly und Fürst Rainer von Monaco am 5. Januar 1956 verlobten, benannte die französische Lederwarenfirma Hermès eine Handtasche um in "Kelly Bag". Ein Coup, der bis heute nachwirkt.

Mit der Diva verbindet sich der Mythos des Jungen, des klassisch Schönen und Begehrenswerten. Kelly selbst strahlte eine Mischung aus Souveranität und Unschuld aus. Ihr Gesicht, das im Alter einen härteren Ausdruck annahm - Symbol ihrer einsamen Jahre in Monaco und für viele Vorzeichen ihres tragischen Todes 1982 bei einem Autounfall -, ist auf der Höhe ihrer Filmkarriere makellos rein, eine ideelle Schönheit.

Ebenso klassisch war ihr Accessoire - auch ein halbes Jahrhundert nach dem Entwurf kann man mit dieser Tasche nicht falsch liegen. Die Kelly Bag ist ganz und gar handgearbeitet, 18 Stunden Handwerk stecken in jedem Einzelstück. Sie sollte als Reittasche dienen, eine praktische Verwendung also und keine stilistische. Die Nähte werden aus in Bienenwachs getauchten Leinenfäden gearbeitet. Jede Tasche wird von einem einzigen Kunsthandwerker angefertigt. Alle Taschen werden mit einem Stempel gekennzeichnet, mit Herstellungsjahr, Atelier und dem Namen des Handwerkers - ein Unikat, hart erarbeitet wie jedes Detail im Stil der Kelly. Auch das berühmte Grace-Kelly-Blond ist keine Farbe, die natürlich aussieht oder natürlich aussehen soll. Es gehört zu der kühlen und unnahbaren Aura, mit der Kelly jedes kurzlebige Sternchen von damals und heute in die Ecke der Beliebigkeit verweist.

Aber die Schauspielkarriere musste sich die Tochter eines Bauunternehmers erst einmal hart und vor allem allein erarbeiten. In ihrer Familie galt nichts mehr als die individuelle sportliche Leistung. Vater und Bruder waren als Ruderer, die Schwester war als Schwimmerin erfolgreich. Kelly hingegen liebte Tanz, Ballett und Theater. Reich heiraten sollte das hübsche Mädchen, so wünschte ihr Vater.

Schlichte Eleganz und unaufgeregte Schönheit

Durch ihre klassische Schönheit und die Leidenschaft, die sie vor der Kamera zeigte, wurde Kelly zur Idealfigur der Alfred-Hitchcock-Heldinnen. Blond und kühl, zugleich aber voller Sehnsucht und Erwartung demonstrierte sie auf der Leinwand eine eindringliche Widersprüchlichkeit, die auch ihr Leben zwischen Bürgertum, Hollywoodglamour und Märchenreich reflektiert.

Den Wunsch ihres Vaters übertraf sie bei weitem, als sie 1956 Fürst Rainier III. heiratete. Damit kam die damals noch namenlose Tasche ins Spiel - sie war ein Geschenk des Fürsten und die Verlobung diente als Bühne für ihren ersten Auftritt. Der gelernte Sattler und Hermès-Chef Robert Dumas hatte das Modell bereits 20 Jahre zuvor entworfen und, wohlgemerkt, als Reitertasche auf den Markt gebracht.

Doch die wahre Karriere der Tasche begann erst, als Grace Kelly zu Fürstin Gracia Patricia wurde und ihre eigene Karriere beendete. Die trapezförmige Handtasche erhielt den Mädchennamen der Fürstin - und fortan trug die in der Öffentlichkeit fast ausschließlich ihre Namensvetterin spazieren.

Die anmutige und dennoch robuste Tasche diente ihrem schwangeren Bauch als Schutz vor den Papparazzi, auf Reisen war sie ein verlässlicher Begleiter - und nichtz zuletzt auch während ihrer einsamen Zeit als Fürstin von Monaco.

Die schlichte Eleganz, die klare und unaufgeregte Schönheit, die Grace Kelly zur Stilikone machten, zeichnen auch die Kelly Bag aus. Als "petit sac haut à courroies", als kleine Tasche mit Trageriemen, präsentierte Hermès das fürstliche Accessoire. Nachdem Kelly die Tasche zu ihrem Markenzeichen gemacht hatte, erhöhte die Firma die Produktion um ein Vielfaches, denn die Frauen erkannten schnell den Wert der unaufdringlichen Perfektion des Modells. Sie alle wollten glamourös sein wie die Diva und bezaubern wie die Märchenprinzessin.

Frauen, die eine Kelly Bag tragen, sagen auch etwas über ihr Wesen: Ich liebe keine Experimente, aber ich weiß genau, was ich will. Schönheit. Und den Abglanz einer Frau, die selbst Grazien erblassen ließ.

Heute gibt es ellenlange Wartenlisten für die Kelly Bag, die meist prominenten Kundinnen, wie Sharon Stone, dürfen selbst über Größe, Farbe, Leder und Ausstattung entscheiden.

Kosten: ab 4000 Euro. Hermès-Boutiquen gibt es in Deutschland unter anderem in Hamburg (Neuer Wall 40, 20354 Hamburg), München (Maximilianstraße 22, 80539 München), Mannheim (An den Planken O.7.10, 68161 Mannheim) und Berlin (Kurfürstendamm 58, 10707 Berlin)

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