Seine Frechheit hat er seit Rio perfektioniert. So kann man heute mit dem Paul und einem anderen Fußball-Weltmeister, dessen Name nicht so wichtig ist, weil es eigentlich jeder Weltmeister sein könnte, einmal durch die Allianz-Arena surfen. Fast bis in die Kabine, an allen Kontrollen vorbei. Niemand hält einen Typen wie Ripke auf. Er atmet auch in teuren Sponsoren-Lounges die Selbstverständlichkeit eines Mannes, der genau am richtigen Platz ist. Der immer er selbst bleibt, außer jemand anderes ist gefragt. Dann ist er eben jemand anderes, aber dabei eigentlich auch wieder er selbst. Dann nimmt er zitternden Rentnern die Handys aus der Hand, um ein sauberes Bild für sie zu machen. Vorher hat er den Fußballer im Bademantel in seiner Sauna fotografiert, die goldene Replika des WM-Pokals in der Hand. Im Bauch des Stadions geht Ripke mit ihm an einer Horde Kinder vorbei, die ein Foto wollen. Der Weltmeister geht weiter, Paul sagt: "Wäre ich dein Manager, ich würde dir raten, das Foto zu machen." Der Weltmeister dreht um und macht das Bild.

Muss man so jemanden auch mal bremsen, Herr Campino? Geht das überhaupt? "Nee. Solche Leute müssen in die Flamme greifen. Denen kannste nicht sagen: Das ist heiß, fass da mal lieber nicht hin." Vielleicht verbrennt er sich die Finger, wenn er bald für Pro Sieben in der Streiche-Sendung "Prankenstein" Leute auf den Arm nimmt. Vielleicht kommt aber bald der Tag, an dem er nicht mehr kann: 2014 war er 211 Nächte weg von zu Hause. "Jeden Morgen nach dem Aufwachen und jeden Abend vor dem Schlafen rufe ich meine Frau an", sagt Ripke. Im Sommer will er mit Familie nach Los Angeles ziehen. Ein alter Traum. Dort seine "Ripkedemy" aufbauen, Workshops geben für junge Fotografen, ein guter Ratgeber sein. So wie die "väterlichen Freunde", die er sich nach dem Tod seines Vaters gesucht hat. Denen er wichtige Mails zur Korrektur schickt, bevor er sie versendet.

Wie man einen Paolo bequatscht, das kann Ripke allerdings niemandem beibringen. Eine große Klappe muss man sich leisten können. Menschen muss man mögen. Und das Karma? "Das kann eigentlich jeder", sagt der Paul. "Ich mach ja nix Besonderes."

Bild: Paul Ripke 26. März 2016, 10:282016-03-26 10:28:44 © SZ vom 26.3.2016/feko