"Er sagt, sie sagt" zu Kuschelwochenenden "War das jetzt ein Heiratsantrag?"

Soll besonders schön werden: der Jahrestag.

(Foto: Yinfinity / iStockphoto)

Sie mieten sich in ein sündteures Hotel, um den Jahrestag ihrer Beziehung zu feiern. Doch die Schwierigkeiten beginnen schon vor der Abfahrt.

Von Violetta Simon

1. Akt - Flucht mit Hindernissen

Der Jahrestag steht bevor - zehn Jahre Beziehung. Wie jedes Jahr haben sie einen Wochenendtrip geplant. Diesmal: ein romantisches Luxushotel. Und wie jedes Jahr steht die Frage im Raum: Spielen die Kinder mit? Möglichst unauffällig schleichen sich die beiden aus dem Haus.

Er: So, die Koffer sind im Auto. Meine Eltern lenken die Kinder ab. Ich gehe mal davon aus, dass Lillis Monsterschluckauf und die Bauchschmerzen von Pauls unsichtbarem Einhorn verschwinden, sobald auch wir verschwunden sind. Also nichts wie weg, hinein in unser romantisches Wochenende!

Sie: Hoffentlich geht es diesmal gut. Jedes Mal, wenn wir wegfahren wollen, tauchen aus heiterem Himmel irgendwelche undefinierbaren Beschwerden auf. Letztes Mal war es spontan auftretender Juckreiz. Du hast eine Stunde lang Lillis Kopf untersucht, weil deine Mutter uns nicht fahren lassen wollte, falls es Läuse gewesen wären.

Er: Und weißt du noch, als Paul behauptete, sein Bett würde brummen? Und Lilli plötzlich lauter gelbe Punkte sah?

Das Handy klingelt. Die aufgeregte Stimme der Großmutter ist zu hören. Er nickt ergeben und verdreht die Augen.

Sie: Was ist denn jetzt wieder?

Er: Diesmal sind sie profimäßig vorgegangen: Die Kleine hat sich übergeben - in Omas Schoß.

Sie: Sicher zu viel Luft geschluckt, beim Schluckaufvortäuschen.

Er: Und wenn es ein echter Magen-Darm-Virus ist?

Sie: Also gut, sagen wir für heute ab und hoffen, dass es morgen besser ist.

Der nächste Tag: Die Beschwerden der Kinder haben sich in Luft aufgelöst, die Großeltern sind mit ihnen ins Schwimmbad gefahren. Er wartet im Auto und beobachtet sie ungeduldig: wie sie die Haustüre zusperrt, innehält, wieder aufsperrt, etwas von drinnen holt und wieder zusperrt.

Er (durchs geöffnete Beifahrerfenster): Wenn wir jetzt nicht bald loskommen, können wir gleich zu Hause bleiben.

Sie: Bin ja schon da! Immer musst du mich hetzen.

Er (startet den Motor): Hoffentlich schaffen wir es noch bis zum Mittagessen - das ist im Preis inklusive.

Sie: Geht das schon wieder los! Du denkst immer nur an die Kosten, nie ans Vergnügen.

Er: Dann hätte ich ja wohl kaum ein Superkuschelwochenende in einem Luxushotel gebucht. Mit Wohlfühl-Komfortbetten und Champagner auf dem Zimmer!

Sie: So wie du das sagst, hab' ich gar keine Lust mehr auf Luxus.

Er: Zu spät, mein Schatz. Wir fahren da jetzt hin, schon allein, weil ich das nicht auf mir sitzen lasse. Und als Erstes bestelle ich eine Flasche Schampus aufs Zimmer, jawohl. Wär' ja noch schöner ...

Sie: Du weißt doch, ich hasse dieses Blubberzeug.

Er: Ich wollte dir damit ja auch keine Freude machen. Sondern ein Zeichen für meine Großzügigkeit setzen.

Sie: Das fängt ja gut an.