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Eine Frau, ein Buch (7):Qualität ist käuflich

"Diamonds are a girls best Friends" - Das wusste schon Marilyn Monroe. Doch wer kann schon einen echten Diamanten von einer Kopie unterscheiden?

(Foto: Foto: istock)

DIAMANTEN ERKENNEN

Wenn Sie einen Diamanten besitzen, dann halten Sie es hoffentlich nicht mit Marilyn Monroe und bezeichnen ihn als Ihren besten Freund. Vielleicht als Ihren ältesten, denn selbst junge Diamanten sind mehrere Millionen Jahre alt. Ein treuer Begleiter ist er auch, denn seine Schönheit ist über jede Mode und jeden Zeitgeist erhaben. Außerdem ist er leicht zu transportieren und wird weltweit gleich bewertet.

Er ist also auch noch ein Freund, mit dem man gut verreisen, durchbrennen oder auswandern kann. Abgesehen davon, dass der wirklich beste Freund aktiver und unterhaltsamer sein sollte als kristallisierter Kohlenstoff, kann man schon sagen, dass Frauen und Diamanten sehr gut zusammenpassen. Sogar einen Kosenamen geben ihm einige, nämlich Bling Bling, was lautmalerisch schön funkelt und deshalb gut in Songtexte passt.

Für zurückhaltende Eleganz steht Bling Bling allerdings nicht, denn nicht nur der einzig wahre Diamant darf so genannt werden, sondern jede Art von teuren Dingen, die glänzen. Auch verchromte Felgen.

Harter Stoff

Zu etwas Besonderem macht den Diamanten nicht nur sein Aussehen, das vor der Bearbeitung übrigens recht unspektakulär ist. Der Diamant ist auch das härteste bekannte Mineral. Seine Schleifhärte ist 140- mal höher als die auf der Mohs'schen Härteskala folgenden Steine Rubin und Saphir. Er hat mit 10 Punkten die höchste Punktzahl, und kein anderes Material kann ihn ritzen. Deshalb werden Diamanten auch mit Diamanten geschliffen.

Theoretische Laientricks

Ritztest Ein Echtheitstest ohne Fachmann wird zwar nicht empfohlen, ist aber theoretisch möglich, indem man versucht, den Stein mit einem Kupferstift zu ritzen. Ein echter Diamant würde den Angriff theoretisch unzerkratzt überstehen. Ein Diamant ist jedoch nicht unzerstörbar, und das verweist wieder auf Profiarbeit, denn bei unsachgemäßer Behandlung kann er zerspringen, weil sehr hart auch immer sehr spröde bedeutet.

Fetttest Bei der Förderung von Diamanten macht man sich ihre Adhäsion (Haftungsfähigkeit) an Fett zunutze. Das Geröll gelangt auf gefettete Bänder, wertlose Stücke werden später weggespült, die Diamanten bleiben dagegen am Fett haften. Für den Test im Hausgebrauch bedeutet das, dass ein echter Diamant, den man mit Fett bestreicht und gegen einen Spiegel drückt, sich dort festsaugt. Dies ist allerdings nur ein Test für einen Stein ohne Fassung.

Ahnung haben

Experimentfreudige Frauen mit Ahnung von Physik und Geologie könnten ihre Steine anhand der elektrischen Leitfähigkeit, der Wärmeleitfähigkeit, der Lichtbrechung und anderer Faktoren von künstlichen Diamanten oder anderen Edelsteinen unterscheiden. Was aber aufwendiger wäre als ein Gang zum Juwelier.

Prüfen lassen

Sicherheit bieten kann Ihnen erst Ihr Juwelier, der zwar häufig Prüfgeräte in seinem Geschäft hat, sich aber die hundertprozentige Antwort in einem Prüflabor einholen wird. In Deutschland wird er den Stein nach Idar-Oberstein schicken, der Hauptstadt der deutschen Edelstein- und Diamantenindustrie.

4 C Den Wert eines Diamanten kann nur ein Experte bestimmen. Anhand der berühmten 4 C: Carat • Clarity (Reinheit) • Colour (Farbe) • Cut (Schliff).

1. Carat Der Wert eines Diamanten steigt mit seinem Gewicht, und das wird in Carat (Abk. ct) angegeben, das man immer mit C schreibt, wenn es um Diamanten geht. Bei Gold benutzt man die Schreibweise mit K. Ein Carat entspricht 0,2 Gramm. So viel wiegt ein Samen des Johannisbrotbaums, der früher als Wägeeinheit benutzt wurde. Darauf kam man, weil Johannisbrotsamen für ein Naturprodukt ein erstaunlich konstantes Gewicht aufweisen.

2. Clarity • Reinheit Bei der Reinheit geht es darum, dass der Wert steigt, wenn möglichst keine Einschlüsse zu sehen sind. Im Gegensatz zum Bernstein, bei dem es gewünscht ist, ein kleines Fossil mit bloßem Auge erkennen zu können, handelt es sich bei den Einschlüssen in Diamanten um winzige Partikel anderer Mineralien (meist Silikatmineralien), die unter dem großen Druck während der Entstehung in den Stein gelangten.Wenn bei einer zehnfachen Vergrößerung keine Einschlüsse sichtbar sind, gilt der Diamant als lupenrein. If - internal flawless (lupenrein): Vvsi 1, vvsi 2 = very, very small inclusions (sehr, sehr kleine Einschlüsse) • Vsi 1, vsi 2 = very small inclusions (sehr kleine Einschlüsse) • Si 1, si 2 = small inclusions (kleine Einschlüsse) • Pique 1 = Einschlüsse, die man schwierig mit bloßem Auge erkennt • Pique 2 = Einschlüsse, die man gut mit bloßem Auge erkennt • Pique 3 = Einschlüsse, die man sofort mit bloßem Auge erkennt.

3. Colour • Farbe Bei den nichtbunten Diamanten gilt die absolute Farblosigkeit als begehrtester Ton. Die Tabelle reicht bis hin zur schlichten Bezeichnung yellow für gelbe Steine: River+ = Hochfeines Weiß+ • River = Hochfeines Weiß • Top Wesselton+ = Feines Weiß+ • Top Wesselton = Feines Weiß • Wesselton = Weiß • Top Crystal = Leicht getöntes Weiß • Crystal = Getöntes Weiß • Top Cape = Getönt 1 • Cape = Getönt 2 • Light Yellow = Getönt 3 • Yellow = Getönt 4

Früher wurde die Farbe bestimmt, indem man den Diamanten auf weißes Papier legte und unter dem Nordhimmel betrachtete. Der Unterschied zur Farbe des Papiers galt dabei als der entscheidende Parameter. Heute erfolgt die Farbbestimmung mit speziellen Tageslichtlampen. Die Feststellung der Farbe ist nach wie vor weniger präzise als die der anderen drei C-Bewertungskriterien. Fancy Diamonds: Bei den so genannten Fancy-Colour-Diamanten dagegen ist die intensive Färbung gewünscht, weil die kräftigen Nuancen sehr viel seltener sind als weiße oder getönte Diamanten.

Bei farbigen Diamanten spielt deshalb auch die Reinheit keine Rolle. Ebenso wenig natürlich bei schwarzen Diamanten, die eine ganz andere Schönheit haben, und bei denen Einschlüsse sowieso nicht sichtbar sind. Die gewünschten Farben haben dann auch so schöne Namen wie Goldorange, Lemon, Noir / Black, Schoko oder Electric-Blue.

4. Cut • Schliff Dem C-Bewertungskriterium Nummer vier, dem Cut oder Schliff, gehen das Markieren, Spalten, Sägen und Rundieren voran. Anschließend wird poliert. Der Diamantenschleifer arbeitet mit einem Wunder der Natur, deshalb kann es auch bei allerbester Arbeit zu einem weniger glanzvollen Schliff kommen, wenn der Rohdiamant nicht die richtigen Bedingungen mitbringt.

Anhand der Form des Rohdiamanten entscheidet der Schleifer, welchen Schliff er wählt und stellt viele Berechnungen an, um ein Optimum an Schönheit zu erhalten. Auch die Einschlüsse spielen bei seinen Berechnungen eine Rolle, denn an diesen Stellen kann der Diamant brechen. Die einfallenden Lichtstrahlen werden durch die Facettierung des Steins so geleitet, dass eine optimale Reflektion entsteht. Die Facetten wirken hierbei wie Spiegel. Die Brillanz oder Strahlkraft bezeichnet man als "Feuer" des Steins.

Beim Schliff wird in vier Qualitätsstufen unterteilt, bei denen es um die Strahlkraft und die perfekten Proportionen geht:

Sehr gut (very good) = Hervorragende Brillanz • Gut (good) = Gute Brillanz • Mittel (medium) = Brillanz gemindert • Gering (poor) = Brillanz erheblich gemindert.

Der Brillant

Dem achtsymmetrisch rund geschliffenen Diamantkristall wird die höchste Strahlkraft, also Brillanz zugeordnet. Nur die runde Schliffform mit mindestens 32 Facetten und der Tafel oben und mindestens 24 Facetten im unteren Teil darf als Brillant bezeichnet werden. Der Brillant hinterlässt von allen Schliffen den stärksten Eindruck, weshalb in der Umgangssprache auch Brillanten mit Diamanten gleichgesetzt werden. Nicht jeder Diamant ist ein Brillant, aber jeder Brillant ist ein Diamant.

Das fünfte C

Das C Nummer fünf steht für conflict oder sollte das certificate sein. Damit ist gemeint, dass unbedingt die Herkunft des Diamanten nachgewiesen werden muss, da der Begriff "Blutdiamanten" für Steine, mit denen Bürgerkriege finanziert werden, mittlerweile überall bekannt ist und bei aller Liebe zum Luxus sehr ernst genommen wird. Seit einiger Zeit werden Diamanten auch durch Laser direkt mit Prüfnummern versehen, da sie fälschungssicherer sind als andere Zertifikate.

Kaufempfehlung

Wenn Sie demnächst einen großen materiellen Wunsch frei haben und Schmuck bei Ihnen ganz oben auf der Liste steht, kaufen oder wünschen Sie sich einen möglichst schweren Brillanten, flawless, very good geschliffen, in hochfeinem Weiß+ oder einer sehr seltenen fancy colour.

Die Texte sind der Ausgabe "Eine Frau, ein Buch" von Heike Blümner und Jacqueline Thomae entnommen, erschienen bei Süddeutsche Zeitung Edition. Preis: 19,90 Euro