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Die Drogenbeauftragte:"Wir sind schon sehr viel weiter"

Tabakkonsum tötet in Deutschland mehr Menschen als Alkohol, Aids, Heroin und Straßenverkehr zusammen. Die Drogenbeauftragte Sabine Bätzing will, dass Nichtrauchen normal wird.

SZ: Sie machen Rauchern derzeit so richtig das Leben schwer. Haben Sie nie selber geraucht, Frau Bätzing?

"Mein Kampf für ein einheitliches Verbot geht weiter"

(Foto: Foto: dpa)

Bätzing: Nein, noch nie! Ich habe immer große Probleme mit den Bronchien gehabt und wenn jemand anderes geraucht hat, fiel mir die Atmung schwer. Auf die Idee zu rauchen kommt man da einfach nicht. Dabei stamme ich sogar aus einem Raucherhaushalt. Meine Eltern waren beide starke Raucher. Zu Hause haben sie sich aber sehr zurückgehalten, gestört hat mich aber selbst das schon.

SZ: Passivrauchen ist das zentrale Thema des diesjährigen Nichtrauchertages. Richtig gut sieht es in Deutschland aber immer noch nicht aus mit dem Nichtraucherschutz. Beim Rauchverbot in Gaststätten haben sich die Länder viele Hintertürchen offen gelassen.

Bätzing: Man kann sich immer mehr wünschen, aber nicht alles lässt sich politisch durchsetzen. Wir sind mit dem Nichtraucherschutzgesetz, das wir jetzt im Bundestag beschlossen haben, schon einen großen Schritt weiter. In öffentlichen Gebäuden und Verkehrsmitteln darf nicht mehr geraucht werden.

Aber natürlich geht mein Kampf für ein einheitliches Verbot weiter. Passivrauchen ist in Mecklenburg-Vorpommern genau so schädlich wie in Nordrhein-Westfalen. Die 3300 Menschen, die jährlich an den Folgen des Passivrauchens sterben, stammen aus allen Bundesländern. Ich fühle mich da auf der sicheren Seite: 80 Prozent aller Deutschen - Raucher wie Nichtraucher - wünschen sich eine rauchfreie Umgebung.

SZ: Das Gaststättengesetz ist Landessache. Begeben Sie sich darum auf Nebenkriegsschauplätze? Sie haben ein Rauchverbot im Auto gefordert, und nun kritisieren Sie das Rauchen im Fernsehen.

Bätzing: Manchmal muss man provozieren, damit Diskussionen in Gang kommen. Die Belastung durch Rauch im Auto ist massiv, die gesundheitlichen Gefahren des Passivrauchens sind viel höher als anderswo. Das wird oft unterschätzt.

Das Gleiche gilt für das Fernsehen, das ja eine Vorbildfunktion hat. Mir liegt eine Studie vor, nach der in deutschen Filmen und Serien doppelt so viel geraucht wird wie in ausländischen Produktionen. Vor allem im Kinderfernsehen ist das so. Ich finde, zumindest die Guten sollten nicht ständig mit einer Zigarette durchs Bild laufen.

SZ: Glauben Sie wirklich, dass Sie so Jugendliche vom Rauchen abhalten können? Mit rauchfreien Serienhelden?

Bätzing: Die Erfahrung zeigt, dass ein Mix aus Verbot und Prävention den größten Erfolg hat. 60 Prozent aller jugendlichen Raucher haben vor der Einführung des Altersnachweises im Januar ihre Zigaretten aus Automaten bezogen.

Seit Januar ist der Umsatz dort um 30 Prozent eingebrochen; wir gehen davon aus, dass die jugendlichen Käufer fehlen. Damit die ihre Zigaretten nicht an Kiosken kaufen, muss da noch stärker auf die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes geachtet werden. Neben Verboten ist Aufklärung sehr wichtig.

Der Mix aus beidem hält Jugendliche vom Rauchen ab. Mittlerweile gilt es unter Jugendlichen sogar als richtig uncool zu rauchen. Zahlen belegen das: Im Jahr 2000 haben noch 28 Prozent geraucht, nun sind es nur noch 18 Prozent.

SZ: Aber das Einstiegsalter für den Tabakkonsum sinkt immer weiter. Mittlerweile liegt es schon bei 11,6 Jahren.

Bätzing: Alarmierend ist, dass das Einstiegsalter bei allen Drogen sinkt. Da wollen wir noch stärker mit Prävention gegensteuern, vor allem, weil Tabak Einstiegsdroge für Cannabis ist.

95 Prozent aller Cannabisabhängigen sind Raucher. Und acht von zehn erwachsenen Rauchern haben als Jugendliche damit angefangen. Darum haben wir auch so stark Jugendliche im Visier. Ich will aber keinen mündigen Bürger dazu zwingen, mit dem Rauchen aufzuhören. Jeder Erwachsene weiß, dass Tabakkonsum schädlich ist.