Der Trend zum Riechen:Dufte Stimmung

Viele machten sich wahnsinnig Gedanken über Einrichtung und Musik, an den Geruch aber denke kaum einer, sagt Berghammer. Dabei empfange einen vor allem in Clubs oft ein Cocktail aus Gerüchen, der bei ihm den Würgereiz auslöst: Zigarettenrauch, Bier, Schweiß, Essen und wenn es übel kommt: Kloake.

Dem habe er etwas entgegensetzen wollen, mittlerweile steht er seit sechs Jahren am Aromagrill, Nachahmer gibt es bereits. Was ihn von denen unterscheide, seien seine Zutaten, er arbeite nur mit natürlichen Essenzen. "Ich kann da ja nicht irgendeinen Dreck durch die Luft pusten", sagt er. Viele Kräuter importiert er aus Asien, manche züchtet er auf seinem Balkon, trocknet sie oder legt sie in Öl ein.

Mitunter wird er auch eingeladen, einfach auf einer Bühne zu stehen und zu beduften - ohne Musik, ohne Bilder. Einmal habe er so 500 Leute drei Stunden lang bei Laune gehalten, am Ende hätten einige sogar zu seiner Duftpartitur getanzt. Damit könne man Menschen genauso unterhalten wie mit Musik. Düfte seien ja nur Mittel zum Zweck. Sie ticken Erinnerungen an, lassen Bilder entstehen. Vom letzten Urlaub, von einem tollen Konzert, von grandiosem Sex.

Sein Vorteil sei, dass die Leute ihm ausgeliefert sind. Man könne sich nun mal kaum dagegen wehren zu riechen. Ambra oder Sandelholz gingen direkt ins limbische System - ob man will oder nicht. Darum verfehlten diese Stoffe nur selten ihre Wirkung.

Eichenrinde für die Banker

Jeder Einsatz sei dennoch ein Experiment für ihn, sagt Erich Berghammer. Kürzlich hat er beim niederländischen Bankkonzern ABN Amro in Amsterdam Bilanzen beduftet. Die Bank wollte das Jahrestreffen der Abteilungsleiter lebendiger gestalten. Weil Blüten bei der männlich dominierten Gruppe nicht ankamen, zog der Aromajockey immer herbere Register, am Ende warf er Eichenrinde ins Feuer.

"Entsetzlich gestunken hat das, völlig verkokelt", sagt Berghammer. Die Banker waren begeistert. Seither hat er immer Rinde dabei, wenn er in der Finanzbranche auflegt. "Die mögen so etwas Ursprüngliches", sagt Berghammer, "vielleicht, weil es nach Macht riecht."

Weil Forscher herausgefunden haben, dass sich eine beduftete Umgebung positiv auf Kaufverhalten und Kundenzufriedenheit auswirkt, bekommt Berghammer seit einiger Zeit verstärkt Anfragen von Unternehmen. Der neue Mini brauste bei seiner Roadshow in Shanghai über einen ledrig-holzigen Duftteppich von Odo7, Isabella Rossellini legte Wert darauf, dass der Aromajockey ihr neues Parfum von Dior bei der Präsentation olfaktorisch in Szene setzte, und in Belgien wurde er für eine Echtzeitbeduftung bei der Filmpremiere von "Das Parfum" gebucht.

Das riecht nach Umsatz. Erich Berghammer ist es egal, sagt er. Ob jetzt mehr Menschen Mini kaufen, weil er bei der Roadshow dabei war. Oder mehr in die Ferien fahren, weil er auf der Reisemesse in Köln Urlaubsduft versprüht hat. Sie fühlten sich gut, den Eindruck habe er jedenfalls. Das müsse doch eigentlich reichen.

© SZ vom 22. März 2007
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