Aktuell Vierschanzentournee

Skispringen sieht immer gleich aus: Anlaufnehmen, abspringen, fliegen, landen. Warum springen die Besten dann so viel weiter als die anderen?

Von Volker Kreisl

Zum Beispiel Ryoyu Kobayashi, der Japaner. 22 Jahre ist er alt, und bis vor Kurzem hat ihn kaum ein Zuschauer gekannt. Diesen Winter hat er schon sechs Weltcup-Springen gewonnen. Um sein Geheimnis zu verstehen, müsste man einen Sprung von ihm mal in Superzeitlupe anschauen: Ein guter Skispringer übertrifft die anderen schon bei der Anfahrt. Er stellt die Ski nämlich so eben auf die Eisspur, dass er kaum Reibung erzeugt und möglichst schnell wird. Kurz vor dem Abflug sind es ungefähr 92 Stundenkilometer: Autobahngeschwindigkeit. Jetzt kommt der Teil, der alles entscheidet, der Absprung. Er dauert nur ein paar Zehntelsekunden, und die meisten verlieren dabei alle Siegchancen. Es geht darum, möglichst hoch zu springen und trotzdem ganz schnell wie ein Adler in der Luft zu liegen. Hat der Springer das geschafft, dann ist er sowohl hoch als auch schnell. Er zappelt jetzt nicht herum, hält Arme und Beine ruhig, die Luft unter ihm wird zu einem Polster, auf dem er sozusagen ins Tal surft. Kobayashi beherrscht alles davon, vor allem den Absprung, den er aus der Ferse ansetzt, um die Skispitzen möglichst schnell neben dem Kopf zu haben. Trainiert hat Kobayashi das, seitdem er ein kleiner Junge war.