bedeckt München 31°

Aktuell:Manager-Flucht

Klingt wie aus einem James-Bond-Film, ist aber wahr - dennoch ziemlich unglaublich: Erst verschwinden fast zwei Milliarden Euro. Dann der Mann, der offenbar dafür verantwortlich ist. Nun fragen sich alle: Wo steckt bloß Jan Marsalek?

Von Nina Himmer

Bis vor Kurzem galt Wirecard als Wunderkonzern, dann wurde der Betrug bekannt, unter anderem von Konzernchef Jan Marsalek.

(Foto: oh)

Vielleicht ist es kein Zufall, dass die ganze Geschichte ein bisschen nach James Bond klingt: unterhaltsam und actionreich, aber auch ziemlich unglaublich. Jan Marsalek ist nämlich großer 007-Fan und hat obendrein ein Faible für Geheimdienste. Nun hat er selbst eine filmreife Flucht hingelegt. Und das kam so: Bis Mitte Juni war der 40-Jährige Manager bei Wirecard. Das ist ein deutsches Unternehmen, das in den letzten Wochen in die Schlagzeilen geraten ist. Wirecard hat nämlich eine riesige Summe Geld erfunden, Phantomgeld nennt man sowas. Das Unternehmen hat sich damit größer und wichtiger gemacht als es ist und viele Kunden und Anleger betrogen.

Jan Marsalek wusste nicht nur davon, sondern war wohl sogar der Drahtzieher des Betrugs. Doch dann flog alles auf - und seitdem ist er auf der Flucht. Die hat er offenbar gut geplant: Obwohl er weltweit von der Polizei gesucht wird, weiß niemand, wo er sich derzeit aufhält. Auch, weil er mit vielen Tricks arbeitet. Zum Beispiel hat er vorgetäuscht, auf den Philippinen eingereist zu sein. Von dort ist er angeblich weiter nach China geflogen. Nur: Die Beamten am Flughafen waren Komplizen, die Reisedokumente gefälscht. Der ehemalige Manager ist gut vernetzt, hat sehr viel Geld und offenbar sogar Kontakte zu Geheimdiensten. Das könnte es für die Polizei schwierig machen, ihn zu schnappen. Und einen großen Unterschied zu James Bond gibt es auch: Bond ist immer der Gute, der Held. Für Jan Marsalek aber hat es nur zum Bösewicht gereicht.

Wirecard

Die Behörden ermitteln gegen das Unternehmen, das mittlerweile Insolvenz anmelden musste.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)
© SZ vom 11.07.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite