Ärger wegen Dixi-Klo Blowin' in the wind

Bei Bob Dylan stinkt's gewaltig - ein Dixi-Klo steht in seinem Garten und müffelt vor sich hin. Die Geschichte der mobilen Toilette.

Von Claudia Fromme

Manche Sachen erledigt der Körper ohne Umwege über das Gehirn. Fassen wir auf eine heiße Herdplatte, ziehen wir die Hand sofort zurück, sind wir auf der Flucht, verriegelt sich der Schließmuskel automatisch. Das hat die Natur zum Wohle des Menschen so eingerichtet. Ein ähnlicher Reflex greift, wenn wir an einer Baustelle vorbeigehen und eines Mobilklos ansichtig werden. Wir machen die Schotten dicht und hoffen, dass die Lungenluft reicht, um nicht doch im Abgang in den Genuss der Geruchskeule zu kommen.

Ob im Stehen, im Sitzen oder in der Hocke - jedes dringende Bedürfnis braucht ein stilles Örtchen.

(Foto: Foto: dpa)

Cindy und David Emminger aus Malibu können nicht die Luft anhalten, bis eine Verrichtungsbox außer Sicht ist - sie blicken den ganzen Tag auf eine solche. Die hat ihr Nachbar an die Grenze seines Grundstücks gestellt, was der Familie stinkt. Das ist nun nicht sonderlich spektakulär, wäre der Nachbar nicht Bob Dylan. Die Kabine wird vom Wachpersonal des Musikers genutzt, das regelmäßig das weitläufige Küstenareal abschreitet.

Nun stehen Fernsehteams in Malibu und filmen, wie Cindy Emminger mit wehenden Haaren ruft, dass ihr "übel" werde, sobald sie vor die Tür trete. Das mit den Haaren kommt daher, dass sie fünf Standventilatoren aufgestellt hat, um Gegenwind zu erzeugen. Das nütze aber nicht viel, es stinke weiter nach Chemie und Kloake. "Besonders schlimm ist es in warmen Nächten", sagt sie. Bittbriefe an Dylan, das Klo abzuschaffen, blieben unbeantwortet. Auch Malibus Bürgermeister Andy Stern zeigt sich unwillig, einzugreifen. Andere Nachbarn hätten sich jedenfalls nicht beschwert, wiegelt er ab.

Stille Bewunderung für Dylan

So blickt die Welt mitleidig auf die Emmingers, manche aber hegen stille Bewunderung für Bob Dylan, 67, der sich trotz seines Reichtums ein Stück Rock'n'Roll bewahrt hat. Ein Leichtes wäre es für ihn, eine feste Toilette für die Wachmänner zu bauen, aber er belässt es bei einem Provisorium, das nach Bauarbeiterschweiß und Musikfestivals riecht, nach einem der letzten Feuchtgebiete der Saubergesellschaft. Ja, nach einem Retter in der Not.

Seit Menschengedenken stehen Hütten zur Notdurftverrichtung hinter Häusern, die Idee der portablen Toilette aber ist gar nicht so alt. Damit Hafenarbeiter auf der Suche nach einem stillen Ort nicht zu lange der Arbeit fernblieben, schafften US-Werften in den 40er Jahren Kabinen aus Holz zu ihnen. An die mochte der in Deutschland stationierte US-Soldat Fred Edwards gedacht haben, als er bei Manövern auf dem Donnerbalken auf seine Kameraden blickte. Also bastelte er 1973 in seiner Garage in Velbert eine Zelle mit Fallgrube und taufte sie "Dixi". Die Mutter aller Mobiltoiletten war geboren.

Auch der Papst nutzt das Dixi-Klo

Zehn Jahre lang machte er gute Geschäfte - bis in Wiesbaden jemand "Toi Toi" baute. Der Klokrieg tobte, und 1997 fusionierten beide zur Firma ADCO, dem Weltmarktführer. Aus der Zentrale in Ratingen ist zu erfahren, dass 180000 Kabinen in 31 Ländern stehen, 80000 davon in Deutschland. Ob Bob Dylans Mobilklo auch zum Toilettenimperium gehört, weiß Marketingleiterin Petra Kerkmann nicht. "Da wir weltweit vertreten sind, kann natürlich auch in seinem Garten eines unserer Produkte stehen", sagt sie. Ein Foto des Klos gibt es nicht, es soll aber bläulich im Gebüsch schimmern. Gegen das Image des Budenstinkers verwahrt sich Kerkmann. "Bei regelmäßiger Entsorgung riecht nichts", sagt sie.

Wenn es um porta potties geht, so heißen die Mietklos im englischsprachigen Raum, bleibt Deutschland selten unerwähnt. Die Washington Post etwa blickte neidisch nach Europa, als sie sich der Bedürfnislage bei der Inauguration Barack Obamas annahm. Zum Jahrhundertereignis seien 7000 Klos aufgebaut worden, so das Blatt, was nichts sei gegen die 8000 beim Weltjugendtag 2005 in Köln. Selbst Benedikt XVI. habe eines besucht. Ja, heißt es in Ratingen. Jedoch habe es sich nicht um das Freifallmodell gehandelt habe, sondern die Premiumkabine mit Umkleideraum und Marmorwänden.