20 Jahre neues Namensrecht Im Namen des Mannes

Im Namensrecht geht heute einiges - nur keine Dreifach-Namen

(Foto: misterQM / photocase.de)

Noch immer entscheiden sich die meisten deutschen Ehepaare für einen gemeinsamen Familiennamen - überwiegend für den des Mannes. Dabei bietet das Gesetz seit 20 Jahren verschiedene Optionen der Gleichberechtigung. Ein Überblick.

Von Sonja Salzburger

Ein Geschäftsessen. Anton Rose erscheint in Begleitung einer Frau, die er als seine Ehepartnerin vorstellt. Der Chef schüttelt ihr die Hand: "Freut mich, Sie kennenzulernen, Frau Rose." "Ganz meinerseits, aber ich heiße Fuchs", antwortet die Frau.

Seit ziemlich genau 20 Jahren sind solche Missverständnisse nicht mehr ausgeschlossen. Denn am 1. April 1994 trat das neue Familiennamensrechtgesetz in Kraft. Seitdem müssen sich Verlobte nicht mehr für einen gemeinsamen Ehenamen entscheiden, und Männer und Frauen können vor der Hochzeit gleichberechtigt darüber diskutieren, wie sie nach der Trauung heißen möchten. Sie haben folgende Möglichkeiten:

  • Der Klassiker: gemeinsamer Familienname

Lisa Fuchs und Anton Rose können sich vor ihrer Hochzeit auf einen gemeinsamen Familiennamen einigen - und damit eine gesellschaftliche Norm erfüllen. Selbst in deutschen Großstädten wie München oder Köln entscheiden sich noch immer mehr als zwei Drittel für einen gemeinsamen Nachnamen, was in über 90 Prozent der Fälle heißt: Die Frau nimmt den Namen des Mannes an. "So weit ist die Emanzipation also gekommen", sagt Gerhard Benedikt, Leiter des Standesamtes München. Den eigenen Familiennamen an ihre Kinder weitervererben zu können, sei vielen Männern noch immer sehr wichtig. Manchen falle es leichter, mit der Tradition zu brechen, wenn die Frau einen besonders schönen Namen habe oder gar einen Adelstitel, weiß Benedikt. Auch ein schwer auszusprechender oder zu schreibender Name sei für manchen Mann ein Argument, den Geburtsnamen abzulegen.

Der Nachname ist übrigens keine Leihgabe: Mit seiner Übernahme gehört dieser fortan beiden Ehepartnern - auch dann, wenn die Ehe in die Brüche geht. Nach einer Scheidung darf derjenige, der seinen Geburtsnamen aufgegeben hat, deshalb entscheiden, ob er den Nachnamen seines Expartners weiterführen oder seinen Geburtsnamen annehmen möchte. Falls er seinen Nachnamen nicht noch einmal ändern möchte, kann er den Namen aus erster Ehe behalten und ihn sogar zum gemeinsamen Familiennamen einer zweiten Ehe bestimmen, sofern der neue Partner einverstanden ist, entschied das Bundesverfassungsgericht am 18. Februar 2004 - trotz langer und vehementer Proteste deutscher Adelsverbände.

  • Der Kompromiss: Doppelname

Wenn beide Partner an ihrem Geburtsnamen hängen, aber auf einen gemeinsamen Familiennamen nicht verzichten möchten, darf einer der beiden einen Doppelnamen annehmen. Anton Rose könnte dann zum Beispiel Anton Fuchs-Rose oder Anton Rose-Fuchs heißen. In diesem Fall würde Lisa Fuchs ihren Namen nicht ändern, auch alle gemeinsamen Kinder würden mit Nachnamen Fuchs heißen. Einen Doppelnamen zum Familiennamen zu bestimmen, so wie es in einigen anderen europäischen Ländern wie beispielsweise Slowenien üblich ist, sieht das deutsche Recht nicht vor.

Eine Ausnahme ist allerdings möglich, wenn einer der beiden Partner bereits einen Doppelnamen hat. Wenn sich zum Beispiel Anton Rose-Müller von Frau Müller scheiden lässt, um anschließend Lisa Fuchs zu heiraten und seinen Nachnamen nicht mehr ändern möchte, kann Rose-Müller trotzdem der gemeinsame Familienname werden, auch die Kinder dürften dann so heißen. Allerdings müsste in diesem Fall Lisa Fuchs in der Ehe komplett auf ihren Geburtsnamen verzichten, eine Lisa Rose-Müller-Fuchs darf es laut Bundesverfassungsgericht nicht geben.

Es gibt jedoch Paare, die sich einen gemeinsamen Doppelnamen wünschen, der sich aus ihren beiden Geburtsnamen zusammensetzt - nicht zuletzt, weil es ihnen als die gerechteste Lösung erscheint. Das Bundesverfassungsgericht hat sich schon mehrmals mit diesem Thema beschäftigt, doch eine entsprechende Reform immer wieder abgelehnt. Der deutsche Gesetzgeber will dadurch verhindern, dass in den nächsten Generationen Bandwurmnamen auftreten.