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Zum Tod der Schauspielerin Ruth Drexel:Die Mama

Unerschütterlicher Trotz und bajuwarischer Humor: Ruth Drexel war die bayerische Miss Marple, des Bullen Muttertier - und die Mutter Courage des Volkstheaters. Ein Nachruf.

Ruth Drexel war vieles in ihrem langen, reichen Schauspielerleben: Brecht-Schülerin, Charakterdarstellerin, Volksschauspielerin, Regisseurin, Intendantin und auf ihre alten Tage hin auch noch ein echter, deutschlandweit beliebter Fernsehstar, gefeiert als die ,"bayerische Miss Marple" (in der ARD-Serie "Agathe kann's nicht lassen") und als resolutes Muttertier Resi Berghammer im "Bullen von Tölz", wo sie ihrem schwergewichtigen Filmsohn Ottfried Fischer Mores lehrte, Beine machte und nicht selten die Schau stahl.

Kämpferisch, bescheiden, humorvoll und mutig: Ruth Drexel.

(Foto: Foto: ddp)

Für uns Münchner aber war sie lange Zeit vor allem eines: die Mama, Herrin und gute Seele des Münchner Volkstheaters, jener notorisch unterfinanzierten Bühne, die es ohne Drexels Stand- und Durchhaltevermögen, ohne ihr immer wieder beherztes Eingreifen wohl längst nicht mehr gäbe.

Zehn Jahre lang, von 1988 bis 1998, hat sie das Haus an der Brienner Straße als Intendantin durch gute und schlechte Zeiten geführt, es mit Zähnen und Klauen verteidigt gegen die Sparhuber der Stadt, die der Bühne immer wieder das Wasser abdrehen wollten, gegen die Traditionalisten, denen sie nicht volkstümlich genug und die Modernisten, denen sie nicht fortschrittlich genug war.

Unerschütterlicher Trotz

Stücke von Brecht und Gorki, von Nestroy, Raimund und Horváth, von Wolfgang Bauer und Felix Mitterer brachte sie hier auf die Bühne, oft in eigener, solider Regie und meist mit Hans Brenner, ihrem 1998 so plötzlich verstorbenen Lebensmenschen, in tragenden Rollen. Der Brenner-Hansi, dieser wunderbare Mensch und Schauspieler, war im Drexel-Theater der unangefochtene Star.

Als sie 1998 schließlich die Intendanz abtrat an Hanns Christian Müller, machte der Nachfolger binnen kürzester Zeit so viel Murks, dass der Prinzipalin gar nichts anderes übrigblieb, als auf Drängen der Stadt im April 1999 noch einmal für drei Jahre an das Haus zurückzukehren und den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Womit sich Ruth Drexel den Titel "Mutter Courage des Volkstheaters" ehrlich, hart und endgültig verdient hatte.

Brechts Courage hat sie selbstverständlich auch auf der Bühne gespielt, 1982 am Münchner Residenztheater, wo sie zwischen 1975 und 1988 in vielen weiteren Rollen zu sehen war - etwa als Balbina in Fleißers ,"Der starke Stamm" oder als Frau Eichmann in Kipphardts "Bruder Eichmann", beides in der Regie von Dieter Giesing.

Ruth Drexels Starrsinn, ihre unerschütterliche Trotz- und Kämpfernatur lagen in ihrer Herkunft begründet. Sie war eine waschechte Niederbayerin, geboren am 12. Juli 1930 in Vilshofen, aufgewachsen im Chiemgau, als Älteste von drei Geschwistern. Der Vater fiel 1944 als Soldat. Zuhause hatte er eine kleine Bank, die später die Mutter übernahm.

Tochter Ruth sollte nähen lernen, eine Modeschule besuchen, ein Studium war nicht drin. "Aus Wut und Trotz", wie sie einmal sagte, ist sie damals als 17-Jährige nach München gefahren, um Schauspielerin zu werden. Und sie hat, gesegnet mit großem Talent, ihren Dickkopf durchgesetzt: Ausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule; mit 23 Debüt an den Münchner Kammerspielen in Arthur Millers "Hexenjagd"; später ging sie für kurze Zeit ans Berliner Ensemble zu Bertolt Brecht und dann zu Peter Stein an die Schaubühne.

Lesen Sie auf Seite zwei mehr über Ruth Drexels Humor.

Bildergalerie: Ruth Drexel

"Servus Mama!"