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Wiener Burgtheater:Der Witz ist umzingelt

Ein geschwätziges Stück mit zusätzlichem Prolog: Am Wiener Burgtheater hat Alvis Hermanis ein spätes Drama des russischen Dramatikers Alexander Ostrowski (1823-1886) inszeniert: "Schlechte Partie" aus dem Jahr 1878.

Von Wolfgang Kralicek

Larissa ist die Königin der Kleinstadt. Sie ist jung, sie ist schön, sie ist sexy. Alle wollen mit ihr schlafen. Als Ehefrau aber kommt sie nicht in Frage, denn leider hat Larissa überhaupt kein Geld: Sie ist eine schlechte Partie. Alexander Ostrowski war im 19. Jahrhundert der König der russischen Gesellschaftskomödie, zu Lebzeiten wurde in Moskau Jahr für Jahr mindestens eines seiner insgesamt 47 Stücke uraufgeführt. Im deutschen Sprachraum ist er kaum präsent; hin und wieder verirrt sich "Der Wald" auf die Spielpläne. Am Wiener Burgtheater hat Alvis Hermanis jetzt ein spätes Ostrowski-Drama inszeniert, das von Alexander Nitzberg als "Schlechte Partie" neu übersetzt wurde.

Weil es nicht gut ausgeht, gilt das Stück als Tragödie. Im Grunde hat es den Charakter einer Typenkomödie, und als solche zeigt Hermanis sie auch: Die Herren Burgtheaterstars dürfen schmieren, was das Zeug hält. Peter Simonischek gibt mit zotteligem Bart den reichen Alten; Nicholas Ofczarek spielt den Hochstapler, Michael Maertens den lächerlichen Spießer und Fabian Krüger den alkoholisierten Vaudevilleschauspieler. Komisch wird es trotzdem selten, die mehr als drei Stunden lange Aufführung hat enorme Längen. Am witzigsten ist noch das von Hermanis selbst sehr liebevoll gestaltete Bühnenbild, dessen Stellwände bis auf den letzten Zentimeter mit Nippes gefüllt sind. Die floralen Tapetenmuster passen zu den Designs der Kleider, in denen Larissa (Marie-Luise Stockinger) immer verzweifelter um ihr Leben tanzt. Hermanis fügt dem recht geschwätzigen Stück noch einen Prolog hinzu und versucht es am Ende gar, zum Liebesdrama zu stilisieren - mit einer bitteren, aber wenig plausiblen Pointe. Schlechte Partie.

© SZ vom 26.10.2017

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