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Vorschlag-Hammer:Wiederauferstehung

Die Oper "La Juive" erlebte eine höchst erfolgreiche weltweite Aufführungsgeschichte - dann kamen die Nazis an die Macht

Von Harald Eggebrecht

Am Sonntag wird sich der Vorhang bei den diesjährigen Münchner Opernfestspielen im Nationaltheater über einem Stück heben, das seit 1931 hier nicht mehr zu sehen war. Nicht, weil es bedenkliche musikalische oder dramatische Schwächen hätte. Nein, "La Juive" ("Die Jüdin") wurde vom Franzosen Jacques Fromental Halévy 1835 komponiert und erlebte eine höchst erfolgreiche weltweite Aufführungsgeschichte. Aber bei den Nazis waren ein jüdischer Komponist und ein jüdisches Thema unmöglich und verfemt. Dabei schätzte der große Antisemit Richard Wagner Halévys Partitur ebenso wie Giuseppe Verdi. Erst seit 1999 erlebt die einst so viel gespielte Oper ihre internationale Wiederauferstehung. Man sieht, wie lange die rassistischen Verdikte der NS-Zeit vorhalten und wie viele ihrer giftigen Vorurteile unterschwellig wirksam sind nicht nur in jenen Generationen, die schwer kontaminiert jene Zeiten überstanden haben. Man denke nur ans fatale Geschwätz von angeblich kalten Virtuosen im Gegensatz zu den wahrhaft Musikalischen, bei denen Technik - vermeintlich - unwichtig sei. So klingt es dann meistens auch.

Wer sonst noch Musik erleben möchte, sollte sich den Donnerstag, 30. Juni, vormerken. Da spielt das exzellente polnische Apollon Musagete Quartett im Nymphenburger Hubertussaal. Und beim BR-Symphonieorchester spielt ein anderer exzellenter Pole Klavier: Piotr Anderszewski. Außerdem dirigiert John Eliot Gardiner. Was der wohl vom Brexit hält?

© SZ vom 25.06.2016
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