Vorschlag-Hammer Weltreise für Daheimbleiber

Weil gerade kein längerer Urlaub in Sicht ist, möchte ich Sie zu einer kulturellen Weltreise verführen, für die wir München nicht verlassen müssen

Kolumne von Bernhard Blöchl

Unlängst war der englische Schriftsteller Max Porter in der Stadt, um seinen Roman Lanny vorzustellen. Am offenen Feuer im, nun ja, Englischen Garten kamen wir ins Plaudern. Es ging darum, wie Altvater Schuppenwurz, so der Name seines sagenhaften Nebendarstellers, im Original heißt (Dead Papa Toothwort), ob kurvig gedruckte Buchzeilen den einen oder anderen internationalen Verleger Schweißperlen auf die Stirn treiben (ja!), und natürlich ging es auch um den Brexit ("oh my gosh!"). Da mich britische Autoren im Allgemeinen und Cornwall im Besonderen anziehen, unterhielten wir uns auch über Nick Hornby und St. Ives, und während wir freudig fabulierten, stellte ich plötzlich fest, wie sehr mir England fehlt.

Weil kein längerer Urlaub in Sicht ist, möchte ich Sie zu einer kulturellen Weltreise verführen, für die wir München nicht verlassen müssen. Nach England geht es nicht nur in Porters poetischem wie naturgewaltigen Experimentalroman. Auch das Filmmuseum gibt sich in diesen Tagen very british. Bis Anfang April läuft hier eine Reihe mit England-Filmen der Produktionsfirma Woodfall aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren. Ein früher Ken Loach ist da ebenso zu entdecken ("Kes") wie Auftritte der jungen Jane Birkin und Charlotte Rampling. Auch der Haushamer Marcus Rosenmüller hat im Königreich gedreht, ein halbes Jahrhundert später, in Nordirland. Sein Biopic über das irre Leben des deutsch-britischen Torwarthelden Bert Trautmann startet am Donnerstag und ist nicht nur was für Fußballfans (Tipp: die englische Kinofassung wählen!).

Ähnlich hoch im Norden, wenngleich östlicher, liegen Estland, Lettland und Litauen. Im Gasteig finden zum ersten Mal die Baltischen Filmtage statt, von 15. bis 17. März. Aktuelle Dokumentar- und Spielfilme beleuchten den Weg der Länder in die Unabhängigkeit und den künstlerischen Umgang damit. Weiter geht's nach Rumänien. Nach Timisoara führt der mit einem Grimme-Preis dekorierte Cyber-Thriller Hackerville. Regie führte unter anderen Anca Miruna Lazarescu, die in Timisoara geboren wurde und seit vielen Jahren in Dachau lebt. Am Sonntag, 17. März, 17 Uhr, sind die ersten beiden Folgen ihrer Serie auf großer Leinwand zu sehen (etwa im Cinemaxx). Nach Syrien, in sein Heimatland, hat sich der Berliner Filmemacher Talal Derki gewagt. Sein unfassbar mutiger, eindringlicher, authentischer und wichtiger Dokumentarfilm Of Fathers And Sons zeigt das Leben einer radikalen islamistischen Familie. Im Monopol gibt es dazu an diesem Donnerstag, 20.15 Uhr, eine Preview mit Regiegespräch. Weiter in den Osten: Korea kann man bei der Reihe Neues Asiatisches Kino im Werkstattkino entdecken (14. bis 20. März), Japan indes bei Doris Dörries Geisterfamilienaufstellung Kirschblüten & Dämonen. Ihr Film spielt zunächst im Allgäu, in der Heimat des neuen Nockherberg-Fastenpredigers Maxi Schafroth. Womit wir wieder zu Hause wären. Denn mehr München geht nur zur Wiesn. Oh my gosh!