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Vorschlag-Hammer:Kinky singt und Matthes liest

Eine Buchhändlerin in der Sendlinger Straße hat mir einmal das Buch "Der Gefangene der Vandam Street" von einem Autor mit dem lustigen Namen Kinky Friedman empfohlen. Es war ein Krimi und für mich genau das richtige Buch im richtigen Moment

Es ist schon sehr lange her, da war die SZ noch in der wunderbaren Sendlinger Straße zu Hause und hatte im Parterre einen Buchladen, der den Namen der Inhaberin trug: Biazza. Dort war eine Buchhändlerin zu Gange, die mehr war als nur eine Buchhändlerin. Sie war eine Seelenleserin, eine Lebensberaterin, eine Befindlichkeitswahrnehmerin, kurz: eine sehr kluge und liebenswerte Frau. Sie hieß und heißt auch heute noch, da sie in weiter Ferne weilt, Nicole. Und eines Tages sagte diese Nicole: "Ich glaube, ich hab' da was für dich." Und drückte mir ein Buch in die Hand mit dem rätselhaften Titel "Der Gefangene der Vandam Street" von einem Autor mit dem lustigen Namen Kinky Friedman. Es war ein Krimi, in dem der Ich-Erzähler Kinky Friedman in seinem Loft im Greenwich Village andauernd Jameson Whiskey trank und darüber nachdachte, dass er früher mal ein allseits geachteter jüdischer Countrysänger gewesen und was das Leben aus einem früher allseits geachteten jüdischen Countrysänger so zu machen imstande sei. Auf gut Deutsch: Es war genau das richtige Buch zum richtigen Moment. Und als ich Jahre später zum ersten Mal in New York war, fand ich heraus, dass dieser Kinky Friedman in der Countryabteilung von Tower Records sogar ein eigenes Fach hat.

Offensichtlich hat Kinky Friedmans Nachdenken über seine Zeit als erfolgreicher Musiker dazu geführt, dass er zu diesen Wurzeln zurückgefunden hat. Jedenfalls kommt er am Donnerstag, 2. Mai, zu einem Konzert ins Amerikahaus. Und wenn mich nicht alles täuscht, bin ich nicht der einzige, der Kinky Friedmans Kriminalromane so sehr schätzt, dass er ihn auch als Musiker kennenlernen will.

Was nun den aktuellen, also eher gegenwärtigen Kulturbetrieb angeht, eine kleine Warnung vorneweg: Die Tipps sind, wie schon der für Kinky Friedman, diesmal sehr persönlich initiiert, also möglicherweise etwas schräg. Das beginnt schon mit diesem Mittwoch, wo Alexander Maurer im Kleinen Konzertsaal des Gasteig die klassische Steirische Harmonika vorstellt, das ist die mit Knöpfen statt Tasten und mir als Keyboarder deshalb ein großes Rätsel. Im Hofspielhaus findet an diesem Abend unter dem Titel Wer ko, der ko ein Poetry-Slam auf Bairisch statt, unter anderem mit Maria Maschenka, die wirklich aus Niederbayern stammt, aber im Alltag auch des Hochdeutschen mächtig ist, was sehr, sehr selten vorkommt.

Im Zeit-Magazin war neulich ein Interview mit Ferdinand von Schirach über ihn und sein neues Buch "Kaffee und Zigaretten" zu lesen. Feuilleton-Kollegin Sonja Zekri moderiert Schirachs Leseabend an diesem Mittwoch in der Kammer 1, deswegen halte ich diese Veranstaltung für doppelt empfehlenswert. Und weil am Freitag dann Ulrich Matthes im Volkstheater Werke des Titanic-Dichters Thomas Gsella liest, ist nun dieser Abend auch schon wieder verplant. Denn Ulrich Matthes ist mein absoluter Lieblingsschauspieler. Er sollte auch mal Kinky Friedman lesen, das wäre ein großer Spaß.