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Von SZ-Autoren:Ronen Steinke über Sprachkritik

Welchen Beitrag leisten Wörter der Alltagssprache bei der Verbreitung antisemitischer Vorstellungen?

Schon das Wort "Jude" geht bis heute vielen schwer über die Lippen, so sehr hat die Geschichte ihre Spuren in der Sprache hinterlassen. Dennoch sind die Synonyme "semitisch", "israelitisch" oder "mosaisch" keine gute Alternative.

Während die Zahl antisemitischer Straftaten in Deutschland und Europa wieder steigt und die gesellschaftliche Diskussion an Brisanz gewinnt, richtet Ronen Steinke den Blick auf die deutsche Alltagssprache: An welchen Stellen hat sich jahrhundertelange Diskriminierung im Vokabular niedergeschlagen? Welchen Beitrag leisten Wörter bei der Verbreitung antisemitischer Vorstellungen? Jiddische Ausdrücke wie "Tacheles", "Schlamassel" oder "meschugge" werden im Deutschen oft gebraucht - und das ist in diesen Fällen auch in Ordnung, argumentiert Ronen Steinke. Warum das bei "Mischpoke" oder "mauscheln" aber anders ist und wieso eingedeutschte Begriffe wie "Sabbat" Tabu sein sollten, erklärt der Autor anhand aufschlussreicher Beispiele.

Ronen Steinke: Antisemitismus in der Sprache. Warum es auf die Wortwahl ankommt. Duden Verlag 2020. 64 Seiten, 8 Euro.

© SZ vom 01.10.2020 / SZ

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