Videoinstallation John Akomfrah

(Foto: Meg Elkinton/Smoking Dogs Films)

Von Laura WEissmüller

Am Anfang ist man sich unsicher, ob John Akomfrah mit "Purple" nicht vielleicht doch die Errungenschaften der Industrialisierung feiern will. Denn in der einstündigen Videoinstallation des so famosen Künstlers und Filmemachers aus Großbritannien gibt es Sequenzen, in denen auf den sechs Leinwänden in alten Filmaufnahmen die Freude an den modernen Erfindungen aufflackert. Da rattern die Maschinen, drehen sich die Motoren und daneben stepptanzen die Menschen scheinbar vor Begeisterung darüber, die Welt nun selbst in Bewegung setzen zu können.

Dass just diese Einflussnahme gut 100 Jahre später den Planeten an den Rande des Kollaps gebracht hat, macht "Purple" - noch bis zum 2. September im Watershed des Institute of Contemporary Art in Boston zu sehen - dann aber schnell klar und zwar auf betörend schöne Weise. Denn die Schwarzweißfilme von Arbeitern, gehetzten Großstädtern und rauchenden Schloten kombiniert der 1957 in Accra geborene Akomfrah zu pathosschwerer Musik mit seiner Suche nach vermeintlich unberührten Landschaften. Ein Mensch, stets in Rückenansicht und mit weißem Parka gekleidet, steht mal im Schnee von Alaska, dann betrachtet er die Gletscher von Grönland oder segelt auf die Marquesas Inseln im Pazifischen Ozean zu. So beeindruckend die Natur ist, unberührt, geschweige denn geschützt ist sie schon lange nicht mehr. Indem der Künstler das Archivmaterial neben Orte stellt, von denen wir uns bald verabschieden müssen - Gletscher schmelzen, viele Inseln werden mit dem steigenden Meeresspiegel untergehen - macht er klar, wie kontinuierlich, aber auch selbstherrlich der Würgegriff des Menschen ist, in dem er die Welt gefangen hält.