bedeckt München 13°

TV: "Bernd das Brot" entführt:Schwatzbrot in Not

Nicht einmal Krümel blieben übrig: Wie Fernsehstar "Bernd das Brot" sich nach seiner Entführung fühlen muss, kann auch sein Erfinder nur ahnen.

Titus Arnu

Der Star des ARD/ZDF-Kinderkanals "Bernd das Brot" ist von seinem angestammten Platz am Erfurter Rathaus entführt worden. Auf YouTube ist ein Bekennervideo zu sehen, in dem Hausbesetzer behaupten, sie hätten die zwei Meter große Kunststoff-Figur in ihrer Gewalt. Erfunden wurde Bernd von Thomas Krappweis, 37, Oberwitzbold bei der Münchner Produktionsfirma Bumm Film.

Teigware mit unbekanntem Aufenthaltsort: "Bernd das Brot".

(Foto: Foto: dpa)

SZ: Herr Krappweis, das Brot ist weg. Was sagen Sie dazu?

Thomas Krappweis: Ich bin bestürzt und erschüttert, gleichzeitig etwas zerknirscht. Es ist bestimmt das dritte Mal, dass dem armen Bernd etwas passiert ist in Erfurt. Er wurde schon beschmiert, umgeworfen und nun auch noch entführt. Ich würde unserem Brot wirklich wünschen, dass man es mal in Ruhe lässt.

SZ: Wie kommen Menschen denn auf die Idee, ein sprechendes Brot zu entführen - und das auch noch aus politischen Gründen?

Krappweis: Jeder hat sich vielleicht schon mal gefühlt wie Bernd. Unter Druck gesetzt. In die Ecke gestellt. Missachtet. Vielleicht sympathisieren die Hausbesetzer deshalb mit dem Brot - und hoffen, dass Bernd umgekehrt mit ihnen sympathisiert. Aber Bernd sympathisiert vorrangig mit sich selbst, und ich glaube, er zöge Mieten dem Besetzen vor.

SZ: Wie fühlt sich Bernd wohl in der Hand der Entführer?

Krappweis: Wie ich ihn kenne, möchte er einfach nur nach Hause. Recht hat er.

SZ: Bernd das Brot ist abends und nachts in einer Endlosschleife auf dem Kinderkanal zu sehen, sein Gesicht erscheint öfter auf dem Bildschirm als das von Angela Merkel. Hoffen die Entführer vielleicht auf den hohen Bekanntheitsgrad des Brotes?

Krappweis: Es scheint so zu sein. Und Frau Merkel wird ja auch besser bewacht als Bernd. Auf jeden Fall sind die Entführer profunde Bernd-Kenner. Das Bekennervideo ist von den Bernd-Texten her ziemlich gut recherchiert.

SZ: Heißt das, es könnte jemand vom Fernsehen dahinter stecken? Ist das Ganze gar eine inszenierte PR-Aktion?

Krappweis: Nein, davon wüßte ich, meine Firma produziert ja alle Sendungen mit Bernd. Wir besetzen auch keine Häuser. Außerdem würden wir den Original-Bernd nehmen und nicht das sackschwere Denkmal. Aber es war scheinbar ein Bernd-Fan, der das Video produziert hat, denn er hat Töne aus Folgen verwendet, die bereits vor langer Zeit gesendet wurden. Bernd das Brot gibt es ja schon seit dem Jahr 2000.

SZ: Wie kamen Sie eigentlich damals auf die wahnwitzige Idee, ein depressives Kastenbrot zum Star eines Kinderfernsehsenders zu machen? Man hätte auch auf etwas kuscheligere Wesen wie Häschen oder Mäuschen setzen können.

Krappweis: Der Kika war auf der Suche nach einem Maskottchen und hatte bei mehreren Produktionsfirmen angefragt, auch bei Jim Henson. Eigentlich wollte der Kika ein Schaf haben, weil das damals noch nicht besetzt war. Beim Abendessen in einer Pizzeria habe ich dann mit dem Blick auf den Brotkorb auf einer Serviette herumgekritzelt. Dabei entstand eine Figur in Kastenbrotform, das Gesicht stammt von meinem Kollegen Norman Cöster. Der saß mir gegenüber, sieht in etwa so aus wie Bernd und hat auch sonst viel mit ihm gemein.

SZ: Ihre Botschaft an die Entführer?

Krappweis: Lasst Bernd frei! Der arme Kerl hat genug zu leiden. Entführungen, und seien es auch nur Entführungen von Brot, halte ich für das falsche Mittel, um politische Ziele durchzusetzen.

© SZ vom 23.01.2009/holz
Zur SZ-Startseite