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Türkei:Ende in Ephesos

Österreichische Archäologen arbeiten seit 1895 an der Ausgrabungsstätte von Ephesos. Jetzt hat die türkische Regierung dem Österreichischen Archäologischen Institut mit sofortiger Wirkung die Grabungserlaubnis entzogen.

Die türkische Regierung hat dem Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI) die Erlaubnis entzogen, an der Weltkulturerbestätte Ephesos weiter zu forschen und zu graben. Als Grund für den Entzug der Grabungslizenz zu Ende August nannte das Innenministerium in Ankara "andauernde politische Spannungen mit Österreich", berichtet die Zeitung Hürriyet. Die Regierung in Wien hatte zuletzt einen Abbruch der EU-Beitrittsgespräche mit der Türkei gefordert und bekommt nun offenbar die kulturpolitische Quittung dafür.

Die Ausgrabungsstätte von Ephesos an der kleinasiatischen Küste ist eine der großen touristischen Attraktionen in der Türkei, jährlich kommen - oder besser: kamen bis vor Kurzem - etwa 1,5 Millionen Besucher dorthin. Ephesos, in der Provinz Izmir gelegen, war eine der bedeutenden Städte der Antike. Das dortige Heiligtum der Göttin Artemis galt als eines der Sieben Weltwunder; auch als urchristliche Gemeinde, an die der Apostel Paulus den Epheserbrief schrieb, ist der Ort berühmt.

Österreichische Archäologen hatten mit Unterbrechungen seit 1895 in Ephesos gegraben. Seit Längerem kooperierten sie eng mit den türkischen Behörden und Archäologen. Ein Ergebnis ihrer Arbeit ist unter anderem die Teilrekonstruktion des Hadrianstempels, die auch den touristischen Reiz der Ausgrabungsstätte verstärkt hat. Doch jetzt müssen die Fachleute nach Hause fahren, darunter auch Kollegen aus Deutschland, Frankreich und anderen Ländern. Knapp 30 Dissertationen von Forschern verschiedener Universitäten sollen vom plötzlichen Abbruch der Zusammenarbeit betroffen sein. ÖAI-Direktorin Sabine Landstätter sagte der Zeitung Kurier: "Das Problem muss auf politischer Ebene gelöst werden. Ich werde sicher auf wissenschaftlicher Seite alles tun, damit diese Kooperation weitergeht."

Unterdessen gab es verschiedene Signale, was die kulturelle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Türkei angeht. "#FreeWordsTurkey", ein Aufruf für Meinungsfreiheit, unterstützt von Intellektuellen wie Gesine Schwan und Lutz Seiler, fand mehr als 70 000 Unterzeichner. Dennoch soll Deutschland wie geplant als Ehrengast auf der Internationalen Buchmesse Istanbul auftreten, die Mitte November stattfindet. Die sei "ein Zeichen der Solidarität" sagte der Direktor der Frankfurter Buchmesse, Juergen Boos.

© SZ vom 07.09.2016 / SZ

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