Treueschwüre in Rom Liebe hinter Schloss und Riegel

Rom ist um eine Attraktion reicher. Nach dem Trevi-Brunnen und den Illuminati-Spuren ist es nun eine Brücke, die durch einen Film Berühmtheit erlangt: Dort hängen die Laternen voller Schlösser, mit denen Pärchen ihre Liebe zeigen. Das sorgt für Ärger.

Von Stefan Ulrich

Es gibt romantischere Orte in der Stadt als den Ponte Milvio. Träge, muffig und schmutzig grün wälzt sich der Tiber unter der steinalten Brücke im Norden Roms hindurch. In den Bäumen am Ufer zeugen zerfetzte Plastiktüten vom letzten Hochwasser. Dahinter türmen sich die Riegel fünf-, sechsstöckiger Wohnkasernen auf. Claudia und Erico aber haben keinen Blick für diese tristezza, denn Liebe macht blind.

(Foto: Foto: oh)

Gerade haben die beiden Gymnasiasten ein messingfarbenes Vorhängeschloss an eine der gusseisernen Laternen auf der Brücke gehängt. Nun werfen sie die Schlüssel in die Flut. Zwei Spritzer, ein Kuss - nichts und niemand soll ihre Verbindung mehr trennen. "Es war seine Idee", sagt Claudia. Erico nickt. Seine Augen leuchten.

Blaue Stunde in Rom, die Zeit für den Corso, den Abendspaziergang. Hunderte junge Römer zieht es da hinaus auf den Ponte Milvio, um es Claudia und Erico gleichzutun. Vorhangschloss auf Vorhangschloss heften sie an die Fahrradketten, die wie Girlanden um die Laternen geschlungen sind. Aus der Ferne sieht das aus, als hätten sich Hornissenschwärme auf den Lampen niedergelassen. Aus der Nähe wird eine bunte Welt der Liebesschwüre sichtbar.

Die ewige Stadt und die ewige Liebe

Neben großen und kleinen Messingschlössern hängen auch weiße, rote oder blaue Riegel, manche mit Schleifen verziert oder mit dem Foto eines Paares. Alle aber tragen sie Aufschriften wie diese: "Nicolo und Anna Maria, 14/01/07", "Neun Monate zusammen - wie der Flug einer Möwe" oder schlicht und ergreifend: "F + L = ewige Liebe".

Die Liebesschlösser, sie sind zum Symbol geworden in Italien. Längst hängen sie auch in Florenz, Neapel und Bari. Zum Mythos aber wurden sie am Ponte Milvio. Schließlich passt hier alles zusammen: eine Brücke als Symbol der Verbindung, die Ewige Stadt, die ewige Liebe. Und dann sind da noch dieses Buch und dieser Film mit dem Titel: "Ho voglia di te" - "Ich steh' auf Dich."

Der Autor, Federico Moccia, behauptet, er habe den Liebeskult an der Milvischen Brücke erfunden. Moccia wird zwar von den Feuilletons als Verfasser stereotyper Jugendschnulzen zerrissen, doch er ist einer der wenigen Schriftsteller, der die jungen Italiener massenweise zum Lesen bringt. 1992 schrieb er seinen ersten Roman, "Drei Meter über dem Himmel", über das Leben und Lieben der ragazzi, der jungen Leute in Rom. Das Buch, zunächst im Selbstverlag veröffentlicht, von Schülern kopiert und weitergereicht, wurde Anfang des neuen Jahrtausends zum Bestseller.