Tod von Siegfried Lenz:"Moralist, der nie den Zeigefinger erhob"

Lesezeit: 2 min

Siegfried Lenz auf einem Archivbild aus dem Jahr 2009 (Foto: dpa)
  • Siegfried Lenz ist im Alter von 88 Jahren gestorben.
  • Bücher wie "Deutschstunde", "Heimatmuseum" oder "So zärtlich war Suleyken" machten ihn zu einem der wichtigsten deutschsprachigen Autoren der Nachkriegsliteratur.
  • Kollegen und Politiker trauern um den Schriftsteller.

Joachim Gauck, Bundespräsident: "Für viele Leserinnen und Leser war Siegfried Lenz nicht nur ein Schriftsteller. Er war ein Mensch, der auf fast altmodische und doch immer aktuelle Weise an das Gute und an die Verbesserungsfähigkeit des Menschen geglaubt hat. Er wurde verehrt und geliebt wie nur wenige andere Künstler."

Thorsten Albig (SPD), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein: "Siegfried Lenz hatte sich über viele Jahrzehnte hinweg Schleswig-Holstein als zweite Heimat gewählt und war dem Land auf das Engste verbunden. Dass das Land zwischen den Meeren wieder eine Literatur-Landschaft von Rang wurde, ist nach Theodor Storm und Thomas Mann vor allem auch Siegfried Lenz zu verdanken. Mit Stolz und Dankbarkeit hat Schleswig-Holstein Siegfried Lenz zu seinem Ehrenbürger ernannt. In Trauer nehmen wir Abschied."

Olaf Scholz (SPD), Erster Bürgermeister von Hamburg:

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Frank-Walter Steinmeier (SPD), Bundesaußenminister: "Viele sind wie ich mit den Werken von Siegfried Lenz aufgewachsen und auch ein Stück mit ihnen erwachsen geworden. Ich bin von Herzen dankbar für den persönlichen Rat, den ich von ihm immer wieder bekommen habe."

Monika Grütters (CDU), Kulturstaatsministerin: "Es ist ihm mit großer Meisterschaft gelungen, das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte literarisch wach zu halten und für die nachfolgenden Generationen verständlich zu machen", erklärte Grütters am Dienstag in Berlin. "Die eigene Geschichte nicht zu verdrängen, sondern aufzuarbeiten - mit dieser Überzeugung hat er als Autor der Nachkriegsgeneration viel dazu beigetragen, den Ruf Deutschlands als Kulturnation wiederherzustellen."

Wolfgang Kubicki, FDP-Fraktionschef in Schleswig-Holstein: "Mit Siegfried Lenz ist einer der talentiertesten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit abgetreten. Seine Werke werden uns in Erinnerung bleiben. Sie haben Generationen begeistert, und sie werden es auch künftig - da bin ich ganz sicher."

Zum Tod von Siegfried Lenz
:Ein großer Erzähler

Er war Soldat im Zweiten Weltkrieg, wollte danach Lehrer werden und ist spätestens seit der "Deutschstunde" einer der bedeutendsten Schriftsteller der Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur. Nun ist Siegfried Lenz im Alter von 88 Jahren gestorben.

Arno Beyer, Stellvertretender NDR-Intendant und Direktor des Landesfunkhauses Niedersachsen: "Siegfried Lenz hat als bedeutender Schriftsteller die deutsche Nachkriegsliteratur maßgeblich geprägt. Dem Norddeutschen Rundfunk war er eng verbunden. Siegfried Lenz war nicht nur häufiger Gast in unseren Studios, sondern arbeitete vom Beginn seiner schriftstellerischen Tätigkeit an regelmäßig mit dem NDR zusammen. Viele seiner Werke waren in unseren Programmen zu hören und zu sehen, zuletzt die Verfilmung seines Romans Arnes Nachlass. Der Tod von Siegfried Lenz ist auch für uns ein großer Verlust."

Ulrich von Bülow, Leiter des Deutschen Literaturarchivs: "Siegfried Lenz war ein Autor nicht nur für Literaturfachleute, sondern vor allem für Leser. Bei seinem letzten Besuch im April war er gelassen, witzig und wirkte auf mich geradezu weise."

Thomas Ganske, Verleger von Siegfried Lenz und langjähriger Freund: "Wir sind zusammen fischen gegangen und haben über seine Bücher und seine Pläne gesprochen. Er hat mich mit seinem Rat für Hoffmann und Campe, der immer sein Verlag war, ein Leben lang begleitet. Jetzt bleibt die Erinnerung an eine einzigartige Freundschaft, an einen großen Menschen und als Zeugnis dafür seine Bücher."

Daniel Kampa, Programm-Geschäftsführer des Hoffmann und Campe Verlags: "Siegfried Lenz war ein Künstler, der sein Schreiben auch als moralische Verpflichtung betrachtete und sich engagiert mit dem Zeitgeschehen auseinandersetzte. Als wahrer Humanist war er ein Moralist, der nie den Zeigefinger erhob. Und Siegfried Lenz war vor allem eines: ein leidenschaftlicher, ein großartiger, ein großer Erzähler."

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