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Theater:Wahrhaftige Nöte

Isabel Kott spielt das "Fräulein Else"

Von Egbert Tholl

Wer auch nur ein wenig vertraut ist mit demwunderbaren Theaterkosmos von Stefan Kastner, kennt Isabell Kott. Kott als Ingeborg Bachmann, als Sphinx von Giesing, alsTheaterereignis. Vielleicht liegt ihre Wahrhaftigkeit daran, dass sie nie eine Schauspielschule besucht hat, sondern Theater einfach gelernt hat. Sie hat früh ein bisschen gedreht, Regiehospitanzen, Assistenzen gemacht, hat an der Uni studiert und zehn Jahre am Tams gespielt. Manchmal denkt sie sich, mei, wäre ich halt damals auf eine Schauspielschule gegangen. Aber wozu eigentlich? Seit mindestens zwei Jahren kann Isabel Kott vom Spielen leben. In aller Freiheit.

Im April wird sie mit Eos Schopohl "Bilder deiner großen Liebe" machen, Wolfgang Herrndorfs unvollendete Fortsetzung seines Romans "Tschick". Das Mädchen Isa darin, "die erinnert mich daran, wie ich mit 14 war. Da konnte ich auch intensiv über die Wahrnehmungsfähigkeit von Weberknechten nachdenken". Bevor sie aber Isa sein darf, ist sie Fräulein Else. Arthur Schnitzler hat sich die junge Dame ausgedacht, Kott hat sie zusammen mit der Regisseurin Leni Brem am Altstadt-Theater Ingolstadt erarbeitet und zeigt sie nun in München. Else muss ihren Vater retten, der hat Geld veruntreut, der Kunsthändler von Dorsday würde es ihm geben, unter einer Bedingung: Er will Else eine Viertelstunde lang "nur von Sternenlicht bekleidet" anschauen.

Ist das heute noch ein Problem, wenn alle möglichen Menschen alles Mögliche von sich ungeniert im Internet preisgeben? "Ja, sehr wohl. Sie würde es doch nicht freiwillig machen. Der Druck ist enorm. Und die Else ist auch keine, die in die Sauna geht, geschweige denn, dass sie schon einmal einen Freund hatte." Elses Nöte zwischen einem Emanzipationsstreben und der Loyalität gegenüber ihrem Vater hat Schnitzler in einem aufwühlenden, vielleicht tödlich endenden inneren Monolog aufgeschrieben.

Fräulein Else, Do., 7. Feb., Hofspielhaus, Sa., 9. Feb., Kulturbühne Spagat im Domagkpark, jeweils 20 Uhr

© SZ vom 06.02.2019

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