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SZ-Edition Soulmates:Große Fragen

Androiden, Milliardäre, Boxer, Bergmänner, Armenärzte, Polarforscher - das sind die Protagonisten einer neuen SZ-Edition mit zehn Romanen der Weltliteratur. Mit Cormac McCarthys "Die Straße" und Philip K. Dicks "Blade Runner".

Von Bernd Graff

SZ Soulmates. 10 Romane, 98 Euro. im Buchhandel und im Internet unter szshop.sueddeutsche.de

Androiden, Milliardäre, Boxer, Senatorensöhne, Bergmänner, Armenärzte, Polarforscher - das sind die Protagonisten einer neuen SZ-Edition mit zehn Romanen der Weltliteratur im Schuber. Cormac McCarthys "Die Straße" ist dabei, Dashiell Hammetts "Der gläserne Schlüssel", Nikos Kazantzakis' "Alexis Sorbas", Jack Londons "König Alkohol", Louis Ferdinand Célines "Reise ans Ende der Nacht", Norman Mailers "Der Kampf", Joe Brainards "Ich erinnere mich" und Robert Falcon Scotts "Letzte Fahrt: Kapitän Scotts Tagebuch - Tragödie am Südpol". Wir haben die Reihe "Soulmates" genannt. Literarische Seelenverwandte, denen man gerne wiederbegegnet oder die man immer schon mal kennenlernen wollte. Wie klingt etwa die berühmte große Frage - Was ist der Mensch? -, wenn sie von einem Androiden gestellt wird? Philip K. Dick hat in seinem Roman "Blade Runner" - den Ridley Scott in den 1982 verfilmte - unsere existenziellen Zweifel noch potenziert. Ist der Mensch für intelligentes Leben also eigentlich überflüssig? Und: Hat er schon bemerkt, dass dieses Konzept ihn vielleicht gar nicht benötigt, ihn womöglich längst verabschiedet hat? Wer "Blade Runner" nur aus dem Kino kennt, darf sich bei der Lektüre des Romans aus dem Jahr 1968 über ein paar raffinierte Twists in der Handlung und bei der philosophischen Reflexion freuen. Und er darf sich wundern, dass Empathie in dieser dystopischen Welt eine ganz andere Bedeutung hat, als man es erwartet. Überhaupt Empathie. Sie spielt auch in den "Roaring Twenties" des "Großen Gatsby" eine zentrale Rolle, wenn auch auf ganz andere Weise. F. Scott Fitzgerald lässt eine verführerische Nachkriegswelt lebendig werden, selbstbesoffen und voller Zweifel, geprägt von Ungleichheit und eitler Glücksjagd. Gleich zu Anfang steht die große Lehre für alle Privilegierten: "So oft du Lust hast, jemanden zu kritisieren, erinnere dich, dass kein Mensch auf der Welt ähnliche Chancen gehabt hat, wie du." Und doch wird es am Ende heißen: "So schlagen wir uns durch, wie die Schiffe gegen den Strom, wobei wir unablässig in die Vergangenheit zurückgeworfen werden."

© SZ vom 11.11.2019

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