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Streit um Lisa Eckhart:Kabarettistin verzichtet

Nach der Absage in der letzten Woche hat das Hamburger Literaturfestival Harbourfront die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart nun doch wieder eingeladen. Sie verzichte nun aber, zu der Lesung kommen, teilte der Zsolnay-Verlag mit, bei dem ihr Debütroman erscheint. Das Festival hatte die Lesung nach angeblichen Drohungen des Schwarzen Blocks aus Sicherheitsgründen abgesagt, räumte aber später ein, dass es gar keine konkreten Drohungen gegeben habe. Am Montag erklärte das Festival, man wolle die Lesungen an einem anderen Ort als ursprünglich vorgesehen veranstalten. Kritiker werfen der Kabarettistin vor, rassistische und antisemitische Klischees zu bedienen. Regula Venske, die Präsidentin des Schriftstellerverbandes Pen, kritisierte die Ausladung der Kabarettistin: "Ob die Gewalt von rechten oder linken Extremisten, von religiösen Eiferern oder Psychopathen angedroht wird: Wir dürfen uns ihr nicht in vorauseilendem Gehorsam beugen." Gerade am Umgang mit "trivialeren" Kunsterzeugnissen zeige sich, wie es um Demokratie und Meinungsfreiheit steht. Für den Straftatbestand der Volksverhetzung, die manche bei einem Auftritt Eckharts befürchten würden, sei die Justiz zuständig. Venske hält es für "traurig genug", dass "an den Rändern unserer Gesellschaft kein Vertrauen in den demokratischen Rechtsstaat" bestehe. "Wir aber sollten ihn verteidigen."

© SZ vom 11.08.2020 / dpa

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