bedeckt München 24°

Spurensuche:Urheberrechte

Christ appearing to Mary who is kneeling in prayer after Dürer ca 1500 1534 Engraving second st

Raimondis Kopie eines Dürer-Stichs aus „Kleine Passion“.

(Foto: imago/Artokoloro)

Die Welt verändert sich ständig, die großen Menschheitsfragen aber bleiben. Urheberrechte wurden schon zu Dürers Zeiten frech ignoriert.

Die Welt verändert sich ständig, die großen Menschheitsfragen aber bleiben bestehen. Wir suchen in älteren Bildwerken nach Parallelen. Urheberrechte wurden schon zu Albrecht Dürers Zeiten frech ignoriert.

Mit der Urheberrechtsreform möchte die EU die Arbeit der Kreativen besser vor der Allmacht der digitalen Konzerne und vor dem willkürlichen Zugriff der Internet-Nutzer schützen. Albrecht Dürer (1471 - 1528) wäre seinerzeit begeistert gewesen von einer solchen Urheberschutz-Initiative. Wie kein anderer seiner Zeitgenossen ist er, der Großmeister des Holzschnitts und des Kupferstichs, lebenslang von geschäftstüchtigen Kollegen beklaut worden. Die Zahl der mit Dürers Initialen AD versehenen Blätter, die aus obskuren Werkstätten stammen, ist beträchtlich.

Auf den prominentesten Diebstahl Dürer'scher Motive hat schon Giorgio Vasari, der Urvater der Kunstgeschichtsschreibung, in seinen Künstlerviten hingewiesen. Mit fast kriminalistischer Lust erzählt er, dass der italienische Kupferstecher Marcantonio Raimondi um 1507 einen ganzen Zyklus von Kupferstichen Dürers detailgenau kopiert und, mit den Initialen AD als Signatur versehen, erfolgreich als Originale verkauft habe. Als Dürer in Flandern von diesem Bilderraub erfuhr, soll er wütend nach Venedig gereist sein und dort einen Prozess gegen Raimondi angestrengt haben. Leider lässt sich von diesem angeblich ersten Urheberrechtsprozess der Geschichte und den von Vasari überlieferten Details - Raimondi durfte weiter kopieren, aber die Initialen Dürers nicht mehr verwenden - wissenschaftlich nichts exakt beweisen. Fest steht nur, dass Raimondi, der sich auf die druckgrafische Wiedergabe fremder Kunstwerke spezialisiert hatte, auf eigene Erfindungen also verzichtete, im Laufe seines Lebens rund 80 Arbeiten von Dürer kopiert und vermarktet hat.

Aber selbst wenn der Plagiatsprozess von Venedig nur eine Legende sein sollte, hat Dürer im Kampf um seine Urheberrechte doch recht früh schon einen großen Erfolg erzielt. Am 3. Januar 1512 hat der Rat seiner Heimatstadt Nürnberg entschieden, dass Kunstwerke, auf denen "Dürers hanndzaichen ... betrüglich nachgemacht sind", auf denen also sein Markenzeichen mit dem kleinen D im großen A fälschlich angebracht ist, von der Signatur befreit oder aber als Fälschungen konfisziert und dem Stadtrat übergeben werden müssen.