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Spurensuche:Politikerinnen

Die neuen Abgeordneten des amerikanischen Repräsentantenhauses haben sich genauso fotografieren lassen wie ihre Vorgängerinnen 1919 im Weimarer Parlament.

Die Welt verändert sich ständig, nicht aber die großen Menschheitsfragen. Wir suchen in Film und Kunst nach wiederkehrenden Motiven. In den USA lebt eine feministische Bildsprache wieder auf

Als soeben die neuen Abgeordneten in das amerikanische Repräsentantenhaus eingezogen sind, haben sich nicht nur die parteipolitische Gewichte zugunsten der Demokraten verschoben. Es ist auch zu einer Verschiebung im Geschlechtergefüge gekommen. Insgesamt sitzen im Kongress, also im Senat und dem Repräsentantenhaus zusammen, jetzt 42 neue weibliche Abgeordnete, davon 38 für die Demokraten.

Die linke Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez hat diesen Moment in einem Bild verewigt, das sie auf ihrem Twitter-Kanal veröffentlichte und dessen Komposition sich explizit auf die Tradition der sozialdemokratischen Frauenbewegungen beruft. Das Bild zeigt von links nach rechts Ocasio-Cortez selbst, die neuen Abgeordneten Ayanna Pressley, Ilhan Omar, Deb Haaland, Veronica Escobar und Sharice Davids. Die Traditionslinie, in die sich Ocasio-Cortez einreiht, zeigt sich unter anderem in dem ersten Gruppenbild weiblicher Parlamentsdebütantinnen in Deutschland, das ziemlich genau vor 100 Jahren entstanden ist, im Februar 1919, als das deutsche Frauenwahlrecht gerade drei Monate alt war und die Weimarer Nationalversammlung erstmals auch Frauen zuließ. Auch damals waren es in erster Linie die Linken, die das Frauenwahlrecht erkämpft hatten und dann weibliche Abgeordnete entsandten. Der Frauenanteil des ersten Weimarer Parlaments lag bei neun Prozent, im Bundestag liegt er heute bei dreißig Prozent.

Neu ist das Medienbewusstsein der Politikerinnen: Während die deutschen Sozialistinnen noch aussehen, als sei ihnen nicht ganz klar, was eine Kamera genau macht, posieren die amerikanischen Demokratinnen sehr geübt. Und neu ist auch die ethnische Komponente: Das aktuelle Bild zeigt nicht nur die erste muslimische Abgeordnete der USA, sondern auch die erste amerikanische Ureinwohnerin im Kongress.