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Sponsoring:Verzichtübung

Nach Protesten: Kulturinstitutionen in Großbritannien und den USA verzichten auf Geld der Familie Sackler. Es stammt von ihrem Pharmakonzern Purdue, der das extrem süchtig machende Schmerzmittel Oxycontin herstellt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Proteste von Künstlern gegen Sponsoren und Mäzene von Kulturinstitutionen erfolgreich sind, aber die Initiative von Nan Goldin ist sicher eine der wirkungsvollsten bislang. Die Fotokünstlerin hat mit Demonstrationen unter anderem im New Yorker Guggenheim-Museum und mit Boykottdrohungen durchgesetzt, dass die Londoner National Portrait Gallery auf eine Million Pfund von der Familie Sackler verzichtet. Die Londoner Tate Gallery und das Guggenheim-Museum in New York haben ebenfalls beschlossen, kein Geld mehr von Mitgliedern der Familie Sackler anzunehmen. Das New Yorker Metropolitan Museum und die New York Academy of Science, die gleichfalls regelmäßig vom Reichtum der Sacklers profitierten, erwägen ähnliche Schritte. Schon vor diesen Großinstitutionen soll im letzten Jahr die South London Gallery eine Sackler-Spende abgewiesen haben.

Verdient wurde das Geld nämlich unter anderem mit Oxycontin, einem synthetischen Schmerzmittel, das extrem schnell süchtig macht, und von dem Nan Goldin selbst lange abhängig war. Umgekehrt hat die Familienstiftung der Sacklers in Großbritannien jetzt angekündigt, sie werde philantropische Engagements dort vorläufig aussetzen. In den vergangenen Jahrzehnten finanzierte die Stiftung Ausstellungen und Projekte wie die von Zaha Hadid umgebaute Serpentine Sackler Gallery im Londoner Hyde Park.

In Großbritannien haben Proteste gegen die Zusammenarbeit von Kulturinstitutionen mit Großkonzernen wie BP eine lange Geschichte. Die Investorengruppe, die unter anderem die Kunstmesse Frieze veranstaltet, sagte beispielsweise kurz vor deren Vernissage in Los Angeles Investitionen aus Saudi-Arabien ab. In Deutschland hingegen kennt man diese Fälle bisher kaum. Zum einen, weil Kunstinstitutionen erheblich mehr öffentliche Förderung erhalten. Zum anderen weil viele Verantwortliche unter dem Stichwort "Curating Money" sorgfältig überlegen, mit wem sie kooperieren. Vor allem die politisch wache, zeitgenössische Kunst reagiert sehr sensibel auf problematische Geldgeber, beispielsweise aus der Rüstungsindustrie. Mittlerweile hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass man seine Mäzene genauso aufmerksam auswählen muss wie die Künstler einer Ausstellung.

© SZ vom 27.03.2019
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