Sidney Poitier wird 80 Ein Pionier und Gentleman

Oscar-Preisträger, Kassenstar, Helfer in der Not - zum achtzigsten Geburtstag von Sidney Poitier.

Von Fritz Göttler

Wie von Gott gesandt kam er daher, mitten in der Wüste Arizonas, ein starker, schöner Mann, dem die Sonne nichts anhaben konnte - ein wenig Wasser nur erbat er sich, für seinen Wagen, dessen Kühler heißgelaufen war. Die fünf Frauen auf der einsamen Farm baten ihn zu bleiben, fünf Nonnen, die geflohen waren aus der DDR, der fremden Sprache noch nicht richtig mächtig, und er erklärte sich schließlich bereit, ihnen eine Kirche zu bauen auf ihrem Gelände.

Läuft alles wie am Schnürchen: Sidney Poitier bekam im Jahr 2002 den Ehrenoscar für sein Lebenswerk verliehen.

(Foto: Foto: dpa)

Mit dieser stattlichen Erscheinung, mit dieser Epiphanie hatte Sidney Poitier den Durchbruch geschafft, 1963. "Lilien auf dem Felde" hieß der Film, der vom Gottvertrauen erzählte, in seiner amerikanischen Variante, einem Vertrauen also, das unterstützt wurde von Eigeninitiative, von pragmatischem Sinn und praktischer Tüchtigkeit.

Für die Rolle des Homer Smith erhielt Sidney Poitier den Oscar als bester Darsteller, der erste für einen schwarzen Akteur. Und es war kein dramatisch-traumatischer Beitrag zur Rassenfrage in Amerika, für den er ausgezeichnet wurde, in den Jahren, da die Bürgerrechtsbewegung sich entwickelte, es war schlicht die Verkörperung amerikanischer Tugenden.

Inspiration für Benachteiligte

Kurz darauf drehte er dann "In der Hitze der Nacht", mit Rod Steiger, und wurde der Kassenstar Nr. 1 des amerikanischen Kinos. So souverän wie er damals kann heute Denzel Washington operieren, als Actionstar - 2002 haben beide Oscars bekommen, Poitier einen Ehrenoscar, und Halle Berry zudem den als beste Darstellerin.

"Ich war zehn", erinnert sich Oprah Winfrey, die Poitier verehrt, "und saß auf dem Linoleumboden zuhause. Meine Mutter arbeitete als Zimmermädchen, wir lebten von der Fürsorge. Farbige wurden immer noch als Schwarze bezeichnet, und da sah ich also einen Farbigen aus einer Limousine steigen vor der Oscar-Zeremonie - ein Schauer durchfuhr mich. Und dann, später diese Nacht, gewann er den Oscar für ,Lilien auf dem Felde' . . ." Vor ein paar Wochen hat Oprah "The Measure of a Man", Poitiers spirituelle Autobiographie zum Lese-Tipp ihres TV-Buch-Clubs gemacht.

Universale Bildung

Begonnen hat Poitier - der klassische amerikanische Karrierestart - als Tellerwäscher, und dabei musste er seinen dicken Bahamas-Akzent wegkriegen, um am Theater akzeptiert zu werden. Dort arbeitete er unter anderem mit Harry Belafonte - der in wenigen Tagen ebenfalls achtzig wird -, 1950 bekam er seine erste Kinorolle in "No Way Out", ein liberaler Arzt, der es mit dem rassistischen Richard Widmark zu tun kriegt.

Vom Rassismus handelten viele der frühen Filme, von "Blackboard Jungle" bis "The Defiant Ones" mit Tony Curtis, die Geschichte einer bizarren "Ehe" - zwei Strafgefangene auf der Flucht, schwarz und weiß aneinandergekettet. Danach wurde es Zeit für freie Variationen, das Fresko "Porgy and Bess", die Sax-Eskapade "Paris Blues", der melancholische "Rat mal, wer zum Essen kommt", als Abschiedsvorstellung für Spencer Tracy, schließlich eigene Regie - "Buck and the Preacher" brachte ihn wieder mit Belafonte zusammen. Eine großartige Kultiviertheit ist hier zu spüren, die bis heute seine Erscheinung prägt, eine Bildung von Körper und Geist.