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Schweizer Theaterlegende:Werner Düggelin gestorben

"Innerer Widerstand gegen jede Geste und jedes Wort zu viel": Zum Tod des Schweizer Theatermachers Werner Düggelin.

Von Christine Dössel

Werner Düggelin war eine Institution des Schweizer Theaters, bis ins hohe Alter aktiv als Regisseur und als solcher ein radikaler Minimalist. Noch vor zwei Jahren, da war er 88, inszenierte er im Zürcher Schiffbau Georg Büchners "Lenz" als Hörbildtheater für drei Stimmen. Die Neue Zürcher Zeitung schrieb: "Seine Stücke werden stets noch knapper, noch karger und scheinen durchdrungen von einem inneren Widerstand gegen jede Geste und jedes Wort zu viel. Sie sind pure Reduktion bis auf den Glühkern der Sprache." Dabei gelte sein Interesse dem Schmerz, dass Mensch und Welt einander versäumen.

Düggelin, geboren am 7. 12. 1929 in Zürich, lernte bei Roger Blin in Paris und kam dann als Regisseur im deutschsprachigen Theater viel herum - Darmstadt, München, Berlin, Wien, Hamburg, Düsseldorf, Bochum -, bevor er in die Schweiz zurückkehrte und vor allem am Schauspielhaus Zürich inszenierte. Von 1968 bis 1974 war er Intendant in Basel, ein leidenschaftlicher Erneuerer, künstlerisch dem Credo "Clarté et Simplicité" verpflichtet, Klarheit und Einfachheit. "Dügg" wurde er genannt. "Dügg" - wie ein Bergmassiv. In der Nacht auf Donnerstag ist er 90-jährig gestorben.

© SZ vom 08.08.2020

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