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Schauplatz Madrid:Das Erbe des Hauses Alba

Spaniens reichste Adelssippe im Zentrum der Hochkultur: Verdis "Don Carlos" ist im Teatro Real zu sehen, und der Palacio de Liria macht seine Gemäldesammlung erstmals dem Publikum zugänglich.

Gleich zweimal steht in dieser Woche das Haus Alba, die wohl reichste spanische Adelssippe, im Fokus. Doch es sind dieses Mal nicht die Klatschblätter, die sich der Albas annehmen, sondern es ist die klassische Hochkultur: das Teatro Real, in dem Verdis "Don Carlos" Premiere hat, und der Palacio de Liria, der seine große Gemäldesammlung erstmals dem Publikum zugänglich macht. In Verdis im 16. Jahrhundert angesiedelter Oper ist Fernando Álvarez de Toledo, der Herzog von Alba, der große Bösewicht. Er unterdrückt blutig die Spanischen Niederlande, die sich dem Protestantismus zugewandt haben. Don Carlos protestiert in der Oper nach Schiller gegen die Gewaltherrschaft des "eisernen Herzogs" und fällt der Inquisition zum Opfer.

Die Madrider Verdi-Fans waren gespannt auf die Inszenierung, die von der Oper Frankfurt übernommen wurde. Denn der ebenso berühmte wie umstrittene Intendant Gerard Mortier hatte sich in einem der letzten Interviews vor seinem Tod 2014 einen "Don Carlos" als politisches Drama um den Freiheitskampf Flanderns gegen die spanische Krone gewünscht. Mortier war Flame, es wäre eine schöne Provokation für die konservativen Madrilenen geworden. Doch es kam anders: Die Frankfurter Inszenierung stellt die Liebestragödie in den Mittelpunkt: Don Carlos' Vater, König Philipp II., nimmt diesem die Braut weg und heiratet sie selbst. Der Protest gegen die Missetaten des Herzogs von Alba bleibt Nebensache.

Im wirklichen Leben war dieser nicht nur ein gnadenloser Vollstrecker der Politik der Habsburger auf dem spanischen Thron, sondern auch ein Freund der Malerei, die flämische eingeschlossen. Seine Nachkommen taten es ihm nach, ihre Gemäldesammlung fand ihren Platz im Liria-Palast im Herzen Madrids, bis heute offizieller Wohnsitz des Oberhaupts der Sippe. Nun können die Werke von Rubens, Tizian, Murillo, Bellini und Goya erstmals besichtigt werden, in kleinen Gruppen, höchstens 250 Personen am Tag. Eintritt: 14 Euro, wie im Prado.

Doch nur ein kleiner Teil des Palastes steht dem Publikum offen, vierzehn Säle, die nie bewohnt waren, sondern nur Festivitäten dienten. So bekommen die Neugierigen nichts von der Pracht zu sehen, in der die letzte Herzogin von Alba, Cayetana Fitz-James Stuart, gelebt hatte. Sie hatte das ganze Land in Wallung und sich selbst auf die Titelseiten der Regenbogenpresse gebracht, als sie 2011, mittlerweile 85-jährig, gegen den Widerstand ihrer Kinder und des gesamten Hochadels in dritter Ehe einen 25 Jahre jüngeren Verwaltungsbeamten heiratete. Drei Jahre später starb sie, ihr Mann hatte vor der Eheschließung auf jegliches Erbe verzichten müssen. Das letzte Mal schaffte es einer ihrer Enkel auf die Titelseiten, als er im vergangenen Sommer in roter Husarenuniform eine Bürgerstochter ehelichte.

In dem Palast hängen auch Porträts ihres Urahns, dessen Truppen die niederländischen Protestanten niederkartätschten. Doch auf der Bühne des Teatro Real tritt er nicht auf, bei Verdi lässt allein sein Name die Menschen erschauern. Die Albas von heute haben das dem Komponisten verziehen, sie gehören zu den Sponsoren der Madrider Oper.