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Rock:Die Wüste lebt

Band PR

Schicksalsgemeinschaft: Mark Lanegan (li.) singt, Duke Garwood ist überall einsetzbar, auch als Bläser.

(Foto: PR)

Mark Lanegan und Duke Garwood folgen mit dem Album "With Animals" dem Tod in den Morgen.

Von Simon Rayß

Keine Sterne, die den Weg weisen. Nur zwei Musiker, die mit unerschütterlicher Ruhe der Finsternis entgegenblicken. So klingt das neue Album "With Animals" (Heavenly Recordings) von Mark Lanegan und Duke Garwood, wie Musik aus der schwarzen Wüstennacht. Der britische Multi-Instrumentalist Garwood und Lanegan, ein Heroin- und Knast-geprüfter Monolith der amerikanischen Rockmusik, kennen sich seit sechs Jahren. Damals heuerte Garwood als Gastgitarrist bei der Mark Lanegan Band an. Mit ihr ging er auf Tour, und die beiden Besessenen wurden Freunde. "With Animals" ist ihr zweites gemeinsames Album.

Garwood bekam seine erste Gitarre mit zwei Jahren. Als Teenager favorisierte er das Klavier, bevor er sich dann aber wieder der Gitarre zuwandte. Mittlerweile ist er noch universeller einsetzbar, gern auch als Bläser. Auf "With Animals" spielt er alle Instrumente. Im Vergleich zur ersten Duo-Platte der beiden, "Black Pudding" von 2013, kreiselt sich seine behäbige Gitarre noch enger an Lanegans Stimme heran. Gemeinsam machen sie Songs, als würden sie bluesige Rock-Gerippe herbeirufen, von allem gesunden Fleisch befreit. Doch sie lassen ihre Stücke eben nie von der Kette, kaum einmal geht Lanegan rein mit seinem zigarettengegerbten Bariton.

So sehr Feedback und Echos einen Song wie "Feast to Famine" auch zerwühlen, er singt darüber mit zarter Erschöpfung. Mark Lanegan hat drei Jahrzehnte im Rockgeschäft hinter sich - bei der fast vergessenen Grunge-Kombo Screaming Trees, als temporäres Mitglied der Queens Of The Stone Age, als Co-Musiker für Moby, Isobel Campbell und etliche andere. Zeit und Arbeitspensum haben sich tief in Lanegans Stimme gegraben. Im Titelsong "With Animals" fransen dunkel gehauchte Zeilen in ein heiseres Raspeln aus, und selbst die Liebesschwüre von "My Shadow Life" klingen eher bedrohlich, wie hingeweht über Garwoods verzerrten Gitarren-Puls, einem gnadenlos dahin malmenden Treibsand. "When the whole world is blue / And there's blue fire in my head / On my life / I swear that I love you" (Obwohl alles schwer ist, und dunkles Feuer in meinem Kopf lodert, bei meinem Leben, ich liebe dich.) Nichts an dieser Beschwörung ist leicht. In "Scarlett", einer brütenden Ode an eine flüchtige Liebschaft, scheint der Tod den Rhythmus vorzugeben. Als poche er an die Tür: "Es ist Zeit zu gehen."

Die Platte klingt, als hätte Lanegan den Ruf gehört, würde ihm folgen. Garwood stützt ihn, zieht ihn Richtung Dämmerung. "Desert Song" scheint dann wie ein Sonnenaufgang, ein leuchtender Schlusspunkt, nur Akustikgitarre und Stimme. "Please let me continue this dream / Even though it can't be believed", singt Lanegan. Lasst den Traum nicht enden, auch wenn er kaum zu glauben ist.

© SZ vom 28.08.2018

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