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Robert Frank:Bilder einer Einstellung

Mit dem Blick des Soziologen: Das Folkwang Museum zeigt Bilder von Robert Frank. Sein Band "The Americans" begründete in den Fünfzigerjahren die Straßenfotografie als Kunstform.

14 Bilder

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Quelle: Robert Frank/Steidl Verlag

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Mit der Fotoserie "The Americans" wurde Robert Frank berühmt. Er war ein Jahr lang immer wieder durch Teile der Vereinigten Staaten gereist, um den Alltag der Menschen zu fotografieren. Als das Buch erschien, wurde es von der Fachwelt nahezu einhellig verrissen: Fotografie galt als einfaches, illustrierendes Medium - Franks kantige, ambivalente Bilder mussten da irritieren.

Rodeo - Detroit

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"Können Sie Ihr Amerika im Amerika dieses Mannes wiederfinden?" fragte das Magazin Pageant unter seinen Abdrucken der Fotos vorsichtig. Franks Bilder waren vielen Betrachtern zu kritisch, zu schmuddelig, zu rau.

Für seine Technik warfen Kritiker ihm "absichtliche Nachlässigkeit" vor. Seine Bilder sähen aus, schrieb einer, "als ob er seine Kamera einfach irgendwo hinhält und abdrückt, ohne sich im Geringsten um Bildaufbau oder Beleuchtung zu scheren."

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Ein Fotografie-Kritiker nahm Robert Frank jedoch von Anfang an gegen die Verrisse in Schutz: Walker Evans erkannte die epochale Wucht von "The Americans", bescheinigte Frank hohe Ironie und die Distanziertheit eines Soziologen, aber auch Größe und Großzügigkeit. Man erkenne an seinen Bildern, "dass Frank mit vielen Tränen aus Amerika reagiert hat, mit ein bisschen Hoffnung und seiner eigenen Art von Faszination."

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Die Bilder, die schließlich den Fotoband "The Americans" ergaben, wählte Robert Frank aus insgesamt 27 000 Aufnahmen aus, die er mit seinen Leica-Kameras auf Reisen durch ganz Amerika gemacht hatte.

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Wie seine Zeitgenossen Jack Kerouac und Allen Ginsberg wollte Robert Frank eine Ode an Amerika schreiben. Mit seinen Mitteln. "Ich bin ein Amerikaner", schrieb der gebürtige Schweizer. Aber er schrieb es auf Deutsch.

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Aus den Tausenden Aufnahmen wählte Frank am Ende nur 83 für "The Americans" aus, der riesige Rest verschwand. Im Buch standen die Fotos für sich, ohne Texte oder Kommentare.

New York

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Quelle: Robert Frank/Steidl Verlag

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Franks Fotografie sei "merkwürdig still", schreibt Sarah Greenough, Fotografie-Kuratorin an der National Gallery of Art in Washington in einem Aufsatz: "Während Jukeboxen und Fernsehapparate flimmern (...) und uns die weiten Öffnungen der Tubas entgegengehalten werden, vernehmen wir keinen Ton. Stattdessen werden undefinierbare Gefühle und vage Assoziationen geweckt." Robert Frank habe mit seinen Bildern eine Metapher nicht nur für Amerika, sondern für das Erleben schlechthin geschaffen.

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Und immer wieder die amerikanische Flagge: Der Kult um die Stars and Stripes hat Robert Frank fasziniert. Nach Jay kehrte er sogar zweimal zurück, um eine transparente amerikanische Flagge zu fotografieren.

Fourth of July - Jay, New York

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Ende der Fünfzigerjahre hatte Robert Frank erst einmal genug vom Fotografieren und wurde Filmemacher. Stills aus seinen Filmen sind in der Ausstellung zu sehen, hier einer aus seinem ersten Film "Pull my Daisy", der 1959 unter Mitarbeit von Allen Ginsberg und Jack Kerouac entstand.

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Eigentlich wollte Robert Frank seine Werke nie wieder ausstellen - schon gar nicht die ewigen "Americans". Aber der Vorschlag, sein Gesamtwerk auf schlichtem Zeitungspapier zu zeigen, gefiel ihm - zumal nach Ablauf der Ausstellung alles vernichtet wird. Hier zerknüllt er eine Papierbahn mit Fotos aus seinem Werk, die Aufnahme entstand in seinem Haus im kanadischen Mabou.

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In den Siebzigerjahren begann Frank mit Montagetechniken und Bildfolgen zu arbeiten: "Ich wollte zeigen, dass das Bild an sich für mich aufgehört hatte zu existieren". Das Arrangieren und Editieren markierte jedoch seine Rückkehr zur Fotografie. Vom Filmemachen nahm er den Abschied von der Eigenständigkeit des einzelnen Bildes mit.

Die Collage "Andrea" fertigte Robert Frank 1975 an. Sie ist seiner Tochter gewidmet, die im Jahr zuvor bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen war.

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Robert Frank hat nicht immer in Schwarzweiß gearbeitet. Es gibt auch Farbfotografien von ihm. "Never leave your car without a camera", sagt er. So muss auch diese Abendstimmung entstanden sein.

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1992 fotografierte Robert Frank in dem kleinen Ort Pangnirtung in der kanadischen Arktis. Auf dem Foto ist der Blick vom Hafen zu sehen, der in eine Landschaft der Extreme geht. "Es ist idyllisch, aber auch sehr sehr hart dort", sagt Frank in einem Interview.

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Der Katalog zur Ausstellung auf Zeitungspapier erscheint - als Zeitung. Er sieht aus wie eine Ausgabe der SZ. Als Robert Frank seine Fotos erstmals auf den Papierbahnen gedruckt sah, sagte er: "Nun musste ich 90 Jahre alt werden, damit meine Bilder endlich mal so gezeigt werden, wie ich mir das immer gewünscht habe."

© SZ.de/khil
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