Pop Unerhört

Neuer Schwung für die bayerische Mundart-Szene: das Oberpfälzer Rap-Duo Liquid & Maniac

Von Martin Pfnür

"Heastas? Heastas?", schallt es durch den ausverkauften Kellerclub Milla. Es ist das lustvoll kopfnickende Publikum, das hier lautstark in ein Stück des Duos Liquid & Maniac einsteigt, die Hände in der Luft, die Luft wiederum erfüllt von einer Graswolke, die aus den vorderen Reihen langsam durch den Raum wabert. "Riachstas? Riachstas?", könnte man auch fragen, aber das tut hier unten sowieso jeder.

"Heastas? Heastas?", übersetzt "Hörst du's? Hörst du's?", das ist das Stichwort, wenn man auf die immer noch in der Nische wirkende bayerische Mundart-Rap-Szene zu sprechen kommt, die mit Liquid & Maniac derzeit mehr Aufmerksamkeit bekommt. Im Sommer dieses Jahres etwa sitzen die beiden in der BR-Abendschau mit Christoph Deumling auf der Couch, um ihr neues Album "Slang Funk Slam Dunk" vorzustellen, und ein bisschen scheint es da, als würde Deumling mit zwei Aliens sprechen, die berichten, wie es auf ihrem Planeten so zugeht, von dem Deumling offenbar noch nie gehört hat. Rap auf Bairisch also? Aha, so, so.

"Heastas", so viel zur Aufklärung, ist ein Track, der bereits 2013 auf dem Album "Bavarian Wasted Youth" veröffentlicht wird. Liquid, Jahrgang 1990, afroamerikanische Wurzeln, aufgewachsen im oberpfälzischen Markt Regenstauf, ist da noch so etwas wie der Sidekick des zauseligen Landleben-Klischee-Zerpflückers Bbou, ebenfalls Oberpfälzer, und seit seinem Debütalbum "Guad und Fesch" von 2011 einer der Zugpferde des Mundart-Rap. Bbou ist es auch, der den anfangs noch auf Hochdeutsch rappenden Liquid ermutigt, es doch mal mit Bairisch zu versuchen, weil er ja "normalerweise auch so rede".

Eine runde Sache: Achim Schneemann alias Maniac (links) und Harold Merl alias Liquid sind mit ihrer CD "Slang Funk Slam Dunk" auf Tour.

(Foto: Christoph Gabler)

Logisch eigentlich. Und bald auch saukomisch, denn mit "Mach doch dein Polt" gelingt den beiden 2012 ein früher, großer Wurf, indem sie Sample-Schnipsel aus Gerhard Polts polterndem Monolog "Die Hölle" mittels rasender Raps zu einem brillanten Track verwursten. Um den zu verstehen, sollte man des Bairischen zwar mächtig sein, zwingend notwendig sei das jedoch nicht, findet Liquid. "Die Leit, die's ned versteng, die wern's fühlen, und die, die's versteng, die fühln's umso mehr, weil die verstengans ja." Soweit verstanden?

Mit der Arbeit an "Bavarian Wasted Youth" wiederum kommt Maniac ins Spiel. Maniac, früh mit den Eltern in die USA ausgewandert, in South Carolina aufgewachsen, und dann als 18-Jähriger wieder nach Regensburg zurückgezogen, ist so etwas wie der Tausendsassa der Szene. Er ist gleichsam Rapper und Produzent, veröffentlicht in Eigenregie 2004 noch in den USA sein erstes Album als Demograffics - und steigt im Rahmen von "Bavarian Wasted Youth" als formidabler Produzent ein, der sich durch mächtige Bässe und voluminöse Beats hervortut. Wie ein Weckruf wirkt das, wenn Bbou und Liquid sich im Gangster-Rap-Persiflage-Video von "Heastas" durch die Regensburger Innenstadt rüpeln, sich als böse Buben gerieren, und Passanten immer wieder mit einem unüberhörbaren "Heast du die zwoa? Heastas? Heastas?" angehen.

Im Hinblick auf Liquid & Maniac ist "Bavarian Wasted Youth" also eine Art Urknall. Für Liquids Soloalbum "La Le Lu" von 2014 zeichnet Maniac, ebenfalls als Produzent verantwortlich, auf der Tour zu "Slang Funk Slam Dunk" sind sie nun auch offiziell als Duo unterwegs - als Duo, das der BR mittlerweile mit einer Radioshow würdigt, in der die beiden ihre Lieblingsplatten auf die Teller legen. Schön ist das, wichtig auch. Tritt doch insbesondere Liquid mit seinen schwarzen Wurzeln immer auch gegen Rassismus und Ressentiments für ein Miteinander ein.

Was für ihn gilt, lässt sich ebenso auf die Werte der ganzen bayerischen Mundart-Szene übertragen. Selbige wird im Track "Bavarian Squad" erstmals nahezu gänzlich versammelt. Neben der oberpfälzischen Fraktion, bestehend aus Liquid, Maniac und Bbou, sind da noch die gebürtigen Niederbayern Monaco F und Gräm Grämsn, die als Doppel D bereits um die Jahrtausendwende begannen, an ersten Tracks zu feilen, sowie der schwarze Münchner Rapper, Produzent und Puls-Mitarbeiter Roger Rekless.

Zu sechst feuern sie da ihre Reime ab, preisen den Flow des Bairischen, verulken Stammtischmentalitäten und ihre eigene Randständigkeit, prangern polizeiliche Vorurteile an - und feiern doch vor allem die Solidarität, die Hans Söllner per eingespieltem Sample wunderbar zusammenfasst: "Im Grunde unseres Herzens samma doch alle Bayern!"

Liquid & Maniac, Freitag, 16. Dezember, Deggendorf, Bergkeller, Samstag, 17. Dezember, Nürnberg, Club Stereo