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Pop und Politik:Brüder im Geiste

President-Elect Donald Trump Holds Meetings At Trump Tower

Donald Trump trifft den Sänger Kanye West im Trump Tower.

(Foto: Timothy A. Clary/AFP)

Donald Trump traf Kanye West. Über zwei Männer, die so viel Irres tun und sagen können, wie sie wollen, denn die Millionen Wähler, Fans und Dollar folgen ihnen trotzdem.

Von Jan Kedves

"Great minds think alike", große Geister denken gleich, sagen Männer gern grinsend zueinander, wenn sie gerade etwas nicht ganz so Koscheres ausgeheckt haben und sich vorab schon zu dessen Gelingen gratulieren. In diesem Fall ist umstritten, ob die Geister wirklich so "groß" sind. Vielleicht passt die andere Übersetzung besser: zwei Doofe, ein Gedanke.

So oder so herrscht große Besorgnis darüber, dass der amerikanische Präsident in spe, Donald Trump, am Dienstag fünfzehn Minuten in seinem Terminkalender freigeschaufelt hat, um sich im Trump Tower mit dem schwarzen Rapper und Modeunternehmer Kanye West zu treffen. Fünfzehn Minuten in jenem Terminkalender wohlgemerkt, der eigentlich mit all diesen nervigen Sicherheitsbriefings vollgestellt ist. Die offizielle Version von Trump lautet, er und Kanye West hätten sich über "das Leben" unterhalten. West sagt, sie hätten "multikulturelle Themen" diskutiert.

Beides stimmt ganz bestimmt nicht, aber bei den Spekulationen darüber, was sie wirklich besprochen haben, muss man die Witze vom gar nicht so Witzigen trennen. Witze wie die Vermutung, West habe sich als Turnschuhminister beworben; sie hätten über ihre Schulden gesprochen (West fehlen eigenem Bekunden nach 53 Millionen Dollar, Trump schuldet allein der Deutschen Bank mindestens 180 Millionen); sie wollten ein Album zusammen aufnehmen, oder: sie hätten die Schönheits-OPs ihrer Frauen, Melania Trump und Kim Kardashian, gepriesen. Nicht so witzig: Sie könnten für die nächsten Jahre die Macht in den USA unter sich aufgeteilt haben. Dem Wahnsinn scheinen gerade keine Grenzen gesetzt zu sein. Tatsächlich hat es das im Pop noch nie gegeben, dass ein Musiker, der mit seinem neuen Album ("The Life Of Pablo") in den Jahresbestenlisten der Musikmagazine - der avancierten wie der konservativen - ganz oben steht, öffentlich den Schulterschluss mit jenem Politiker sucht, der den Menschen auf der Welt gerade die größte Angst macht. Sicher, Elvis traf 1970, zur Hochphase des Vietnamkriegs, Präsident Nixon, um sich auf eine Stelle bei der Drogenvollzugsbehörde zu bewerben. Das war schon einigermaßen wahnsinnig. Aber Elvis hatte zu diesem Zeitpunkt seinen künstlerischen Zenit längst überschritten, und es gab weder Twitter noch Facebook. Heute kann man ausdauernd den größten Unfug äußern, angehimmelt wird man trotzdem. Kanye West hat sich als Jesus bezeichnet, bei Konzerten hat er den Rapper Jay-Z und dessen Frau Beyoncé auf's Wüsteste beschimpft. Der Sportmodekonzern Adidas, mit dem West kooperiert, muss dennoch keine Rufschädigung fürchten. Wests Konzert-Tickets verkaufen sich hervorragend, obwohl - oder gerade weil - er bei seinen Konzerten, statt zu rappen, auch gerne mal ausführlich Donald Trump für seine "sehr futuristischen Kommunikationsmethoden" preist. Methoden, die auch West seit Jahren anwendet und die, wie an der Wahl Trumps ja zu sehen war, dazu führen können, dass selbst die abwegigste Prophezeiung dann doch eintritt. Kanye West will Präsident der USA werden. Das hat er im vergangenen Jahr bei den MTV Awards in Los Angeles gesagt. Viele nahmen das nicht ernst. Kanye West selbst aber schon. Er meint alles ernst, was er sagt, trotz - oder eben aufgrund - der Psychose, wegen der er neulich sogar ins Krankenhaus musste. Inzwischen scheint er zumindest eingesehen zu haben, dass 2020 zu früh ist. Als neues Datum nennt er seit Dienstag 2024. Das bedeutet: Die acht Jahre für Präsident Trump sind jetzt beschlossene Sache.

© SZ vom 15.12.2016
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