Pop "Hip-Hop-mäßig passiert weltweit viel"

Früher haben sie daheim einzeln an ihren Sounds herumgebastelt, heute haben sie gemeinsam Spaß an verschiedenen Veranstaltungsorten.

(Foto: Niklas Niessner)

Die Feste feiern, wie sie fallen: Ein dreifacher Geburtstag mit entsprechender Fete in der Milla ist vor allen Philipp Englhardt und Stephan Rether zu verdanken, den Initiatoren von "Rap in dei G'sicht nei"

Von Jürgen Moises

Zehn Jahre "Rap in dei G'sicht nei", fünf Jahre Weltuntergäng und ein Jahr "Bumm Clack". Das ergibt zusammen "16 Jahre funky Raps, Beats und Cuts", wie es auf der Veranstaltungs-Website heißt. Man kann den dreifachen Geburtstag, der an diesem Samstag von 17 Uhr bis 5 Uhr morgens in der Milla groß gefeiert wird, aber auch auf andere Art zusammenfassen. Nämlich mit den Namen Philipp Englhardt und Stephan Rether. Denn die beiden jungen Münchner stehen hinter der Veranstaltungsreihe "Rap in dei G'sicht nei" und dem gleichnamigen Blog. Sie sind beide Teil der Münchner Hip-Hop-Truppe Weltuntergäng. Und sie haben außerdem "Bumm Clack" initiiert, eine Konzert- und Party-Reihe in der Milla, die alle drei Monate experimentelle und rein instrumentelle Hip-Hop-Musik aus ganz Deutschland vorstellt.

Die hiesige Hip-Hop-Szene besser aufzudecken, selber zu schauen und zu zeigen, was alles passiert. Das war laut Phillip Englhardt die Motivation dafür, warum er unter dem Label "Rap in dei G'sicht nei" vor zehn Jahren mit ersten kleinen Hip-Hop-Konzerten in der Glockenbachwerkstatt anfing. "Die Szene war vor sechs oder sieben Jahren noch ganz anders, nicht so offensichtlich", sondern die Leute hätten eher zu Hause an ihren Beats herumgebastelt, sagt Stephan Rether. Er ist 2008 zu "Rap in dei G'sicht nei" gestoßen und hat Englhardt seitdem dabei unterstützt, immer wieder nach neuen Musikern und Locations zu suchen. So kamen zur Glockenbachwerkstatt bald das Rausch & Töchter und das Feierwerk dazu. Die Namen der Bands und Rapper, die über die Jahre dort auftraten, liest sich aus heutiger Sicht fast wie ein Who-is-Who der lokalen Szene: Demograffics, Bushbayer, Toby Wan sie Bbou, sie alle standen bei "Rap in dei G'sicht nei" auf der Bühne, als sie fast noch keiner kannte, manche hatten dort sogar ihren allerersten Auftritt.

Im Jahr 2010 gründeten die beiden dann mit Freunden die Weltuntergäng, und 2012 veröffentlichten sie den ersten "Rap in dei G'sicht nei"-Sampler. "Dass der so eine Welle macht, hätten wir nie gedacht, das ging damals durch alle Medien und ganz Deutschland", so Rether. "Das gab uns noch einmal eine zusätzliche Motivation." Und wer wissen will, wofür "Rap in dei G'sicht nei" steht, dem sei der Sampler hiermit empfohlen. Mit der Weltuntergäng haben Englhardt und Rether ebenfalls ein Album produziert. Die Release-Party dazu war in der Milla. Was die beiden schließlich auf die Idee brachte, auch dort Veranstaltungen zu machen. Nur sollte es etwas Neues sein, denn über die Jahre hatte sich irgendwie das Gefühl eingestellt, dass sich bei "Rap in dei G'sicht nei" vieles wiederholt. Das Ergebnis war "Bumm Clack", eine Mischung aus Konzert und Party mit dem Fokus auf instrumentellen Hip-Hop. "Hip-Hop-mäßig passiert weltweit gerade sehr viel", so Philipp Englhardt, "vor allem Produzenten rücken verstärkt in den Vordergrund". Und zwar mit Tracks, die teilweise an Trip-Hop erinnern, in Fällen wie dem amerikanischen Produzenten Flying Lotus aber auch schon in Richtung Jazz gehen. Wie das im Einzelnen klingt, kann man sich auf Veranstaltungen wie den "East-West-Sessions" in Berlin schon seit einigen Jahren zu Gemüte führen. In München gab es so etwas laut Stephan Rether vor "Bumm Clack" noch nicht.

Vom kommenden Jahr an soll die Veranstaltung alle zwei Monate in der Milla laufen, auch neue "Rap in dei G'sicht nei"-Abende sind 2016 wieder geplant. Denn wegen "Bumm Clack", der Weltuntergäng und anderen musikalischen Projekten, weil Stephan Rether gerade seinen Abschluss als Designer macht und Philipp Englhardt inzwischen unter anderem als Booker in der Milla arbeitet, schlief die Reihe in den letzten eineinhalb Jahren etwas ein. Das Jubiläum am Samstag soll deswegen nicht zuletzt auch zeigen: Uns gibt es noch! Ansonsten steht "16 Jahre funky" mit Beatsets von Hans Hu$tle, Samadee oder L One, Auftritten von Arm und Hässlich und der Weltuntergäng, mit Live-Painting und einem Hip-Hop-Flohmarkt für den Versuch, "all das abzudecken, was wir bisher gemacht haben". Und es soll, so Rether, außerdem noch zeigen, dass Hip-Hop mehr ist als nur Rap.

16 Jahre funky, Sa., 28. Nov., ab 17 Uhr, Milla, Holzstr. 28